Du nicht er nicht sie nicht

Was erwartet man eigentlich, wenn man hört, dass drei Jugendliche um die 18 Jahre eine Platte aufgenommen haben? Vielleicht erstmal pubertären Poprock oder so eine Art Möchtegernemo. Was aber 1000 Robota aus Hamburg mit ihrem Debüt „Du nicht er nicht sie nicht“ fabriziert haben, haut einen erstmal von den Socken. Knappe 27 Minuten deutscher Punkpoprock mit ordentlich viel Schmackes und einem schrägen Garagensound. 27 Minuten die nach vorne gehen. Anton Spielmann, Jonas Hinnerkort und Sebastian Muxfeld treten mit ihrem äußerst selbstbewusstem Debüt ganz schön vielen Leuten in den Hintern. Ein Hauch von 70s Punk und den Sound der Hamburger Bands der frühen 90er Jahre, gepaart mit einer rotzfrechen und nicht unintelligenten Selbstdarstellung.
„Du nicht er nicht sie nicht“ beginnt mit einem Marschrhythmus. Auf zur Revolution. Hier kommen drei frische Jungs aus Hamburg, die kein Blatt vor den Mund nehmen. Wozu auch? Schließlich kommt man mit provozierenden, eindeutigen Texten weiter, als wenn man sich gleich zu Beginn ein Weichspülerimage bastelt. Obwohl sie zu dritt nur mit Bass, Gitarre und Schlagzeug sehr minimalistisch daherkommen, wissen sie gerade diesen Minimalismus sehr gut umzusetzen. Rhythmuswechsel, Melodieläufe mal beim Bass, mal bei der Gitarre. Verzerrung ein und aus. Dazu singen Gitarrist Spielmann und Schlagzeuger Hinnerkort oft im Duett. Schreien ihre Parolen der heutigen Jugend entgegen. „Schmeiß dein Leben weg und feier das, was du liebst“. In „Ich blicke an dir vorbei“ beweisen die drei sogar, dass das Thema Liebe auch nicht an 18jährigen einfach so vorbeigeht. Diese erstaunliche Reife ist während des ganzen Albums hörbar und für die hiesige Musiklandschaft äußerst erfrischend. Nicht nur durch den Song „Oh, oh“ fühlt man sich an die frühen Tocotronic erinnert. Dabei haben 1000 Robota wahrscheinlich um diese Zeit herum noch in die Windel gemacht. Aber irgendwas muss in dieser Zeit irgendwoher aufgenommen worden sein.
„Du nicht er nicht sie nicht“ zeigt keine großen Variationen oder Spielereien. Titel wie „1234567“ oder „Diese Brille“ sind kurz und knapp und rocken so, wie man es sich von aufmüpfigen Jugendlichen gerne öfter wünscht. Mutig, frech, frei und provokant. Klasse Debüt einer gerade erst am Anfang stehenden Band aus Hamburg. Hier wird man sicherlich auch außerhalb Deutschlands aufmerksam werden. Hut ab.