3 Doors Down

Seventeen Days

Veröffentlicht: 14.02.2005 / Republic / Universal

Von: Thomas Kröll

3 Doors Down

Es soll ja böse Zungen geben, die behaupten, dass 3 Doors Down nur die Lücke ausfüllen, die Creed hinterlassen haben (sofern es nach Creed überhaupt eine Lücke gab). Auch das kleinkarierte Etikett des "Post-Grunge" wird dem Quartett gerne schonmal angeheftet. Wobei ich mich frage, wo fing dieser Modebegriff (und nichts weiter ist es...) "Grunge" an und wo hörte er auf? Bei Nirvana und mit dem Tod von Kurt Cobain? Aber das gehört hier nicht hin (wer Antworten auf diese inzwischen ausgelutschte Frage hat, kann diese gerne an die Redaktion mailen)...

So ganz falsch können 3 Doors Down mit ihrer musikalischen Orientierung jedenfalls nicht liegen, haben sie doch seit ihrer Gründung 1998 mit nur zwei Alben immerhin schon 12 Millionen Tonträger verkauft und laut Label-Info "katapultierten (sie) sich somit in die erste Reihe der Rockbands der letzten Jahre". Ich mag die Band. Punkt. Irgendwann vor Jahren lief mal ein Live-Mitschnitt von ihnen auf MTV (jawohl, damals konnte man noch MTV gucken, ohne mit Werbung für Klingeltöne zugemüllt zu werden). Gefiel mir ausgezeichnet. Ebenso wie das Vorgängeralbum "Away from the sun".

Entsprechend ein wenig zappelig vor Erwartung schob ich also "Seventeen Days" gleich nach dem Eintreffen des Vorabexemplares (hier Applaus für Kai Wagner!) in den heimischen CD-Player. Ich sollte nicht enttäuscht werden! Obwohl ich das zu Anfang dachte. Denn der Opener "Right where I belong" klingt zunächst stark nach 08/15-Rocknummer, die sich aber nach mehrmaligem Hören dann doch noch als halbwegs passabler Ohrwurm entpuppt. Auch das folgende "It`s not me" gehört zur eher schwächeren Fraktion. Erst mit der ersten Single "Let me go" beginnt "Seventeen Days" zu dem zu werden, was es am Ende ist, nämlich zu einem richtig guten und vor allem stimmigen Rock-Album.

Sicherlich könnte man 3 Doors Down an dieser Stelle vorwerfen, dass sie dabei wenig innovativ vorgehen und um ein Haar der Versuchung "Stadionhymne" erlegen wären, aber ich bitte euch! Wie heißt doch gleich diese australische Band mit den vier Buchstaben, die sich seit fast dreißig Jahren ständig selbst neu erfindet und dabei durchaus erfolgreich doch immer nur mit den drei gleichen geilen Riffs hantiert?

In deren Liga spielen 3 Doors Down zwar (noch) nicht, aber sie sind auf einem guten Weg. Besonders was die ruhigen Töne angeht, die auf "Seventeen Days" überwiegen. Brad Arnold`s Stimme trägt all den Schmerz und all die Hoffnung dieser Welt in sich und rutscht dabei doch nie in das steinerweichende Timbre eines Scott Stapp ab.

"Be somebody", "The real Life" oder besonders "Landing in London" treiben mir die Tränen in die Augen, die der Rührung... und die der Freude! Denn bei "Landing in London" gibt es ein Wiederhören mit dem guten alten Onkel Bob. Was habe ich sein "Still the same" geliebt. Das ist lange her und ich befürchte, dass die 3 Doors Down-Fans der heutigen Generation mit dem Namen Bob Seger (um den geht es nämlich) leider nur noch herzlich wenig anfangen können. Umso mehr adelt es den Song!

Richtig gerockt wird aber auch noch und hier vermeiden 3 Doors Down ebenso gekonnt, es dem biederen "Jetzt hau`n wir auf die Pauke"-Stil anderer Kollegen (etwa von Nickelback) gleichzutun. "Love for today" und vor allem das treibende "Never will I break" (das schön nach den Stone Temple Pilots klingt) machen "Seventeen Days" erst so richtig rund. Rund, weil das Album an einem Abend in trauter Zweisamkeit sowohl zum Soundtrack für die knisternde Kerze, als auch zu dem für das frisch geknackte Bier reicht, manchmal sogar für beides gleichzeitig ("My world"). Nur der Schlusspunkt "Here by me" ist mit Piano und Streichern eine Spur zu schmalzig geraten.

Dazu gibt es noch ein nett gestaltetes Booklet mit allen Texten (was ich, außer bei Westernhagen, immer als Pluspunkt verbuche) und als Bonus-Tracks zwei Akkustikversionen von "Here without you" und "Away from the Sun". Letzteres hätte nicht unbedingt sein müssen, hilft jedoch, wenn das Bier ausgetrunken ist, die Kerze aber immer noch brennt. Dafür solide 7 von 9!

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