Time Of My Life

Drei Jahre sind seit dem letzten Album von 3 Doors Down ("3 Doors Down") vergangen. Eine Zeit, in der sich viel ändern kann. Bei der US-Band liegt die Betonung allerdings auf dem Wörtchen kann. Frei nach dem Motto „never change a selling band" konserviert das Quintett den schablonenhaften Hochglanz-Rock des Vorgängers und zeigt, wie man eine Kopie eindrucksvoll kopiert und kopiert und kopiertÂ…
Natürlich haben die Pathos-Rocker aus dem US-Bundesstaat Mississippi auch auf Studioalbum Nummer fünf wieder die Breitwand-Gitarren und einige oberflächlichen Tagebuchlyrics im Gepäck. Wenn die soundtechnische Glattbügelung von Produzent Howard Benson (u.a. Motörhead, Seether, Kelly Clarkson) nur nicht erneut (beim Vorgänger waren noch Johnny K und Kirk Kelsey dafür verantwortlich) so konturenlos und unbedingt auf Radiotauglichkeit getrimmt wäre, hätte man sogar noch Hoffnung für den Fünfer. Aber das letzte Fünkchen ist leider schon unwiderruflich erloschen. Die „Monsters Of Radio-Rock Tour" mit Nickelback, Creed und Daughtry kann nur noch eine Frage der Zeit sein – 3 Doors Down beherrschen die Autopilotfunktion mittlerweile so gut, dass da sogar der ZDF-Fernsehgarten an diesem Ungetüm interessiert sein dürfte.
Mit "Time Of My Life" sind 3 Doors Down also leider endgültig dort angekommen, wo Skeptiker die immer zahnloseren Alternative-Rocker schon seit Jahren sehen. Auch eine anfangs gute Nummer wie "Kryptonite" kann man nur so und so oft wieder aufwärmen und wiederkäuen. Sein ganzes Schaffen auf drei Melodien, zwei Riffs und eine Stimmlage zu gründen, geht spätestens mit diesem Album unter. Sogar die beliebige Phrase „Post-Grunge" ist mittlerweile leider zu schade für den Einheitsbrei von Brad Arnold und seinen Kumpanen. Die nüchterne Erkenntnis lautet, dass 3 Doors Down weitaus näher am Popcorn-Hard-Rock von Bon Jovi dran sind, als ihnen das wohl selbst lieb sein dürfte. Aber aus der Nummer kommt das amerikanische Quintett wohl nicht mehr raus.
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