Collision & Castaways

Kinder, wie die Zeit vergeht. Da bringen doch die 36 Crazyfists mit "Collision & Castaways" tatsächlich ihr bereits sechstes Album auf den Markt und laut Roadrunner Records soll es wohl "das härteste Album ihrer Bandgeschichte sein". Man darf also von Anfang an gespannt sein, jedoch schon mal vorweg: Das was die Herren aus Alaska sich hier zusammengebastelt haben, ist bestimmt NICHT ihr härtestes Album. Sicher, Scream-Parts sind zur Genüge dabei und ja, auch die Gitarren sind verzerrt. Trotzdem: Im Gesamtbild ist "Collision & Castaways" im "Metalcore" anzusiedeln, jedoch nicht als übertrieben harte Platte. Mit "Caving In Spirals" ist sogar eine Ballade dabei. Doch dazu später...
Mit den seichten Klängen einer Gitarre beginnt der Opener der Herren aus Alaska bis nach ca. 45 Sekunden eine zweite Klampfe hinzukommt. Nach gut einer Minute beginnt man den ersten verzerrten Laut wahrzunehmen bis dann schließlich nach 1:27 die Drums einsetzen und es endlich losgehen kann. "In The Midnights" entpuppt sich im Refrain als Mitgröhl-Hymne, während die Scream-Parts in den Strophen sich eher nach Erschöpfung oder nach Raucherlunge anhören. Musikalisch geht der Song voll auf die 12. Auch die "Rise" Aufforderungen in der Mitte des Stücks, kommen sehr gut rüber. Für einen Opener trotz seiner fünfeinhalb Minuten sehr ordentlich.
Der Bombenschlag "Whitewater" ist musikalisch eines der stärksten Stücke auf der CD. Musikalisch wieder nichts auszusetzen. Insgesamt jedoch schlechter als der Opener durch ein unkoordiniertes Ende. Der dritte Song "Mercy & Grace" ist mit leisen Woho-Parts unterlegt und zeigt wunderbares Drumming. Thomas Noonan ist voll in seinem Element. "Death Remains The Light" ist als Durchschnitt anzusehen, ebenso wie "Anchors". Interessant wird es wieder bei "Long Road To The Late Nights", welches das einzige Instrumental auf der Platte ist und zu "Trenches" führt, wo man wieder kurz aufhorchen darf. Grandiose Scream-Parts, nur dummerweise mit grausam-cleanen Sprechgesangwirrwarr verbunden. Dennoch richtig guter Song, der sofort ins Ohr geht.
Nun kommt es zur ersten Singleauskopplung "Reviver". Dort muss man der Band wirklich ein Lob für ihr Gespür geben. "Reviver" ist mit dem Opener der stärkste Song auf der Platte. Außerdem der Song mit dem höchsten Wiedererkennungswert. Wirklich sehr hörbar. "The Deserter" wirkt dagegen ein wenig fad und einfallslos, ist aber auch der härteste Song auf dem Album. Abgesehen vom guten Solo aber nicht vieler Worte wert. Liebhaber von "Scheißegalwasichsingehauptsachemanverstehtkeinwort-Screamo" werden ihren Spaß an dem Song haben.
Als krasser Gegensatz dazu steht das bereits oben erwähnte "Caving In Spirals". Die Powerballade ist eine willkommene Abwechslung und zeigt eine weitere Facette des doch recht abwechslungsreichen Albums. "Waterhaul II" ist ein Wechselbad der Gefühle. Von seichten Melodien über Geschreie allererster Güte geht "Collision & Castaways" zu Ende.
Zugegeben: Ich habe mich vor dieser Review nicht sonderlich mit dieser Band befasst. Der ein oder andere Song war mir bekannt, mehr aber auch nicht. Mit ihrem Sechstling jedoch zeigen die Amerikaner eine ausgeprägte musikalische Vielfalt, was sie klar von Kollegen ihres Genres abhebt. "Collision & Castaways" wird noch häufiger den Weg in meinen CD-Player finden, das steht fest.