Passports & Souvenirs

"Passports & Souvenirs transformiert thematisch Gedanken und deren Folgen in Gesprochenes, Gesungenes und Vertontes: Das Aufnehmen und Interpretieren erlebter Umstände in der belebten Gesellschaft von heute, das Hinterfragen der eigenen Grundpositionen und der Quellen dafür", sagt Johannes Reisinger der Sänger und Texter des österreichischen Quartetts.
Im Titeltrack des aktuellen Albums wird mit der kühlen präzisen Ästhetik eines Flughafenterminals eingecheckt, zu dieser existentiellen Erkundungsreise. Der "Everlasting Sound" weckt den brütenden Alb, um nachtaktiv seine Albträume im weiteren Verlauf der Scheibe in dämonische rockende Soundcollagen zu verwandeln. Die Single "Unit Exploted" treibt mit Stakkato-Riffs auf einem Klangteppich aus poppigen Arrangements und hymnischen Gesangsparts vorwärts, webt überraschende Ornamente bruchstückhaft ein und setzt die verschachtelten Harmonien gegen zarte melodische Grooves. Die musikalische Komplexität dieses Albums zeichnet schillernde Klangfarben, welche stufenweise fortschreitend einen exzessiven verspielten Kosmos mit Ecken und Rundungen ausloten, der hier und da die dissonanten Grenzen erforscht und in seiner Harmonik und Rhythmik verschachtelte Pfade durch die Gehörgänge gräbt.
Die Vielschichtigkeit des imaginären Reisetagebuchs von Across The Delta presst die einzelnen melodischen Komponenten in die Nervenbahnen, zerstückelt sie und baut sie an anderer Stelle wieder zusammen. Michael Leonhard (Bass) und Ivo Thomann (Drums) setzen den Songs ein präzises Rhythmusfundament, welches sie nach Belieben in den ausgefeilten Songstrukturen verschieben. "Sunless Shadowboxer" drängt die nebligen schweren Tonnebel in eine klingende Flut aus Lichtstrahlen. Da wird Soundschicht auf Soundschicht getürmt. Dicht und mathematisch. Atmosphärische Klangkaskaden werden von Across The Delta aufgebaut und durch weiche Flötentöne auf einen neuen akustischen Weg geschickt, bis sie am Horizont verschwinden. Elektromechanisch fräst sich dann die Gitarre von David Welleditsch durch eine Nummer wie "A Landslide". Die Architektur- und Musik-Studenten von Across The Delta verbinden diese beiden Komponenten virtuos zu einer Melange aus Prog, Pop, Rock und Independent. Der Befehl "Passengers, Inhale!!!" zieht das Tempo an und bleibt auch hier wieder nicht in klaren Bahnen, sondern springt und schlägt durchdachte Haken.
In "Machines Working In A Starry Night" scheint gar Maschinist Maynard James Keenan die dröhnende Konstruktion zu bedienen, die mit perlendem Piano die Nachtschicht einläutet. "Symbol Eraser" schwebt anschließend sphärisch durch den Raum und eine epische tiefe Gesangsspur klingt sanft durch die eigenen Galaxien, weit und leise im Licht gestreut. Plötzlich ist Schluß. Diese Reise ist hier beendet. Für Across The Delta aber noch lange nicht.