For Your Entertainment

Dass man auch als Zweitplatzierter des amerikanischen DSDS-Vorreiters American Idol für einigermaßen nachhaltige Schlagzeilen sorgen kann, versucht der im US-Bundesstaat Indiana geborene Adam Lambert seit dem Ende der achten Idol-Staffel (im Mai 2009) zu beweisen. Mit seiner Homosexualität geht der 28-jährige im prüden Amerika offen um und erzielt alleine dadurch schon genügend verkaufswirksame PR. Bei aller Androgynität allerdings auch noch ein wirklich identitätsstiftendes Musikbein auf die Erde zu bekommen, vergisst der Freund von dickem Make-up dabei leider.
Die Entscheidung, ob Adam Lambert gerne eine männliche Lady Gaga oder ein noch flamboyanterer Freddie Mercury wäre, steht auch nach seinem Debüt "For Your Entertainment" weiterhin aus. Professionell bricht die kleine Diva ein paar Tabus, ohne eine entscheidende Käuferschicht zu verprellen. Eine Art Ein-Mann-Army-Of-Lovers mit weniger nackter Haut und mehr Plastikgitarren. Mal orientiert sich Lambert an Duran Duran, mal an Prince, und eigentlich immer am ungeschriebenen Gesetz aller Castingshowteilnehmer, die anschließend ein Album veröffentlichen: bloß nicht zu viel Eigenständigkeit.
I’m here for your entertainment, eine Zeile aus dem Titeltrack von Adam Lamberts Debütalbum, fasst den Grundgedanken aller Castingshows einfach und prägnant zusammen. Um Talent und künstlerischen Anspruch geht es allerhöchstens peripher, das oberste Ziel ist die Unterhaltung und das Bei-der-Stange-Halten des Zuschauers. Der sorgt für die alles entscheidende Quote und letztendlich den Umsatz, den man mit den emotionsgeladenen Musikarbeitern auf Zeit machen kann. Ob Adam Lambert zu den unzähligen Eintagsfliegen oder zu den ganz wenigen Konstanten des Castinggeschäfts gehören wird, entscheiden letztendlich wieder die Zuschauer. Obwohl sie mittlerweile schon eine Staffel weiter sind, sind sie die einzigen, die den nichtssagenden Stilmix von Adam Lambert verstehen und zu einem Erfolg machen können.