Adoro

Adoro

Veröffentlicht: 21.11.2008 / Polydor / Universal Music

Von: Andreas Weist

Adoro

Die Inflation an Tenören ist ja seit zwei Jahrzehnten kaum mehr aufzuhalten – ob es nun die „jungen“ sind, die „keltischen“ oder ihrer gar „zehn“. Wenn die Stimmen stimmig sind und das Repertoire ins Ohr geht, ist der Erfolg garantiert. Dass eine Veröffentlichung gerade vor Weihnachten sehr lohnenswert ist, liegt in der Natur der Sache. So dürfen jetzt im Fünferpack einige Opernsänger Typ „Traum aller Schwiegermütter“ ran, die zwar in deutscher Sprache singen, sich aber den italienischen Namen Adoro (übersetzt: „ich bete an“) gegeben haben. Auf jeden Fall muss man den Jungs zugute halten, dass sich neben den beiden Tenören Lazlo Maleczky und Assaf Kacholi auch ein Bassbariton (Peter Dasch) und zwei Baritone (Jandy Christian Ganguly und Nico Müller) in der illustren Runde eingefunden haben. Die tieferen Stimmbereiche werden also nicht vernachlässigt.

Die Vermischung aus Klassik und Pop ist ein Konzept, das gegenwärtig besonders gut funktioniert. Adoro haben sich populäre Hits in deutscher Sprache ausgesucht, denen sie mit ihren klassischen Stimmen neues, gefühlvolles Leben einhauchen wollen. Zu den orchestralen Tönen des Filmorchesters Budapest funktioniert das teilweise recht gut. Songs wie „Liebe ist alles“ (Rosenstolz), „Und wenn ein Lied“ (Söhne Mannheims) sowie „Flugzeuge im Bauch“ (Grönemeyer) gewinnen durch die neue Interpretation.

Die Vokalisten lassen zum Glück nicht den Opernsänger raushängen sondern singen die Stücke so ein, dass sie stilistisch gut zu den populären deutschsprachigen Musicals der Gegenwart passen würden. Natürlich mit viel Pathos, aber doch ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu drängen. Die Streicherarrangements in Verbindung mit dezent eingesetzten Percussion-Elementen wie in „Und wenn ein Lied“ geben den Liedern eine neue romantische Note. Oft verlassen sich Solistengruppen auf eine stimmgewaltige Einstimmigkeit (wie beispielsweise die Ten Tenors) – hier hat man sich aber wirklich Mühe gegeben, den unterschiedlichen Stimmen Rechnung zu tragen und ihnen passende Melodielinien zuzuschreiben. „Ohne Dich“ glänzt dabei mit einem mehrstimmigen Arrangement, das den alten Titel der Münchner Freiheit in eine ganz neue Richtung führt.

Oft sind die Titel allerdings auch überladen und der Schmalzhahn wird zu weit aufgedreht. „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ verliert durch das langsame Tempo, in dem es vorgetragen wird. Auf Dauer ist das leider viel zu tränig. Und in Udo Jürgens‘ „Merci Cherie“ haben die Sänger mit ihrem ergreifenden Vibrato leider stark übertrieben. In den meisten Fällen allerdings gelingt die Gratwanderung und auch das speziell für Adoro komponierte „Engel“ passt gut in den Reigen bekannter Melodien.

Über den Sinn der Neuinterpretationen lässt sich streiten. Einen Zweck können sie zumindest erfüllen: Es ist ein Weg, Klassikliebhaber in eine neue musikalische Richtung zu führen. Wenn die Schwiegermutter sich erstmal mit Adoro angefreundet hat, ist der Weg zu Silbermonds „Symphonie“ oder den unplugged-Interpretationen von Xavier Naidoo nicht mehr weit. Eine gute Gelegenheit also, anlässlich des Friedensfestes eventuell einen musikalischen Konsens zu finden. Adoro unterm Weihnachtsbaum können definitiv zum familiären Frieden beitragen.

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