Adoro

Für immer und dich

Veröffentlicht: 06.11.2009 / We Love Music / Universal Music

Von: Andreas Weist

Adoro

Wie man auch immer zu der Vergewaltigung bekannter deutscher Rock- und Popsongs stehen mag: die fünf Sänger von Adoro scheinen eine Marktlücke gefunden zu haben und sind bemüht, diese vor allem in der Vorweihnachtszeit zu stopfen. Warum auch nicht? Konzertkarten und emotionstriefende CDs sind schließlich das passende Geschenk für alle Romantiker.

Auch für das zweite Album wurde das Konzept natürlich nicht verändert: Man verleihe den bekannten Titeln ein symphonisches Arrangement und interpretiere die Songs mit viel Pathos. Adoro singen häufig mehrstimmig und haben damit schon einen Vorsprung vor manchen Kollegen der seit Jahren grassierenden Tenöre-Inflation. Stimmlich kann ich nur sagen: allererste Sahne. Und es ist äußerst angenehm, dass die Herren nicht ihre Stimmgewalt raushängen lassen und sich in Opernarien verlieren. Stattdessen werden die Melodielinien sauber eingesungen und dem klassischen Arrangement angepasst. Klassik meets Pop also – aber auf die etwas andere Art.

Als unerschöpfliche Quelle deutschsprachiger Musik muss die Spitzengruppe von Deutschrock und Deutschpop herhalten: Rosenstolz und Ich+Ich finden wir ebenso wie Rio Reiser, Marius Müller-Westernhagen und Herbert Grönemeyer. Fast, als hätte jemand im Who-is-who geblättert und die besten Songs der letzten Jahrzehnte ausgewählt. Die Zusammenstellung ist durchweg gelungen.

Musikalisch allerdings sind einige Abstriche zu machen. "Für immer und dich" funktioniert nicht ohne Rios kratzige Stimme. Auch "Freiheit" verliert ohne den typischen Mitgrölcharakter den Esprit des Originals. Udo Lindenbergs "Horizont" allerdings hört sich in der Adoro-Version sehr elegant an. Die Harfenklänge sind regelrecht betörend. Grönemeyers "Halt mich" ist schon im Original schmalztriefend und man baut dies noch weiter aus – mit Piano, Harfe sowie Streichern.  Und Xavier Naidoos "Sie sieht mich nicht" wird zur wahren Offenbarung. Ich konnte den Song kürzlich in einer viel zu verschnörkelten Live-Interpretation von Naidoo hören und muss jetzt zugeben, dass ich dem klar strukturierten Streichersatz bei Adoro den Vorzug gebe. Eindeutig mein Highlight des Albums!

Adoro sind ein gutes Mittel, Klassikfans an die Musik der Gegenwart heranzuführen. Die Schwiegermutter wird sich wundern, wenn man ihr eine solch schöne CD schenkt und dann auch noch alle Texte auswendig mitträllern kann. Die beste Gelegenheit also, um unterm Weihnachtsbaum zu glänzen.

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