Adoro

Glück

Veröffentlicht: 12.11.2010 / We Love Music / Universal Music

Von: Andreas Weist

Adoro

Die Erfolgsgeschichte von Adoro geht in die dritte Runde. "Gut so" werden die Freunde ihrer Musik sagen, "Arrrgh" die mindestens ebenso zahlreichen Feinde schaudernd ausrufen. Dabei war doch klar, dass die Melange aus Pop und Klassik auch im dritten Jahr in Folge den für diese Musikrichtung aufgeschlossenen Zeitgenossen den Herbst versüßen wird. Nach zahlreichen Gold- und Platinauszeichnungen, einer Nummer 1 in Deutschland fürs Debüt und einer Nummer 2-Platzierung des Nachfolgers "Für immer und dich" können die fünf smarten Herren ihr "Glück" wohl kaum fassen und haben gleich ihr drittes Werk entsprechend benannt.

Der Standard bleibt unverändert: Üppige orchestrale Arrangements, dazu der Gesang von fünf klassisch ausgebildeten Stimmen, die ihr Metier perfekt beherrschen. Da findet sich viel Bombast und Pathos. Gegner werden sagen: absolut übertrieben. Ich aber finde: es könnte schlimmer sein. Die gut ausgebildeten Künstler lassen zum Glück nicht den Opernsänger raushängen (was sie durchaus könnten), sondern singen die Stücke so ein, dass sie stilistisch gut zu den ausgewählten Popsongs passen. Adoro singen häufig mehrstimmig und haben damit schon einen Vorsprung vor manchen Kollegen der seit Jahren grassierenden Tenöre-Inflation. Stimmlich kann ich nur sagen: allererste Sahne. Den instrumentalen Part übernimmt das Deutsche Filmorchester Babelsberg, das sich für Begleitungen dieser Art in den letzten Jahren einen soliden Ruf erworben hat.

Wo ich an meine Grenzen stoße, ist die Auswahl der gecoverten Stücke. "Nessaja", "Engel fliegen einsam" und "Geweint vor Glück" – auf jeden Fall. Auch Westernhagens "Wieder hier" kann man sich in orchestraler Form sehr gut anhören. "Geboren um zu leben" und "Leuchtturm" – okay, auch wenn ich den Unheilig-Titel dann doch lieber im sonoren Original des Grafen höre. Was aber gar nicht geht: "Take On Me" von A-ha als schmachtend eingedeutschtes "Halt mich fest" und (noch schlimmer) "Wind Of Change", das mir in der Originalversion schon aus den Ohren raushängt, als schmalztriefende Pseudo-Polit-Hymne "Wie der Wind sich dreht" – das halte ich beim besten Willen nicht aus.

Die liebe Promofirma schickt zum Release eine Tafel Edelbitterschokolade mit. Die Message ist einfach: Schokolade macht glücklich, Adoro auch. Aber zu viel Süßes ist nun mal ungesund – und ein bitterer Beigeschmack bleibt auch.

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