Adoro

Liebe meines Lebens

Veröffentlicht: 11.11.2011 / We Love Music / Universal Music

Von: Andreas Weist

Adoro

Seit 2008 alle Jahre wieder im November: Adoro bringen zum Weihnachtsgeschäft ihre neue CD heraus. Die aktuelle trägt den Titel "Liebe meines Lebens" und bietet wieder einen bunten Strauß deutscher Popsongs, die in einer klassisch eingesungenen Version dargeboten werden. Im Prinzip könnte ich es mir jetzt einfach machen, eine meiner letzten drei Reviews nehmen, die Titel austauschen und fertig. Aber ich will den fünf Jungs nicht Unrecht tun. Das Konzept ist schließlich sehr erfolgreich und man kann es ihnen nicht verdenken, dass sie jährlich aufs Neue ihre Zielgruppe bedienen. Ich versuche mal, mich dieser anzunähern: Zum einen vielleicht der Klassik-Fan, der gerne in Oper und Operette sitzt, aber auch bereit ist, sich mit zeitgenössischen Texten und Melodien auseinander zu setzen. Zum anderen der gewöhnliche Radiohörer, der den Vorsatz fasst, seinen Horizont in die klassische Richtung zu erweitern, sich aber nicht an die ganz schwere Kost ran traut.

Wer einmal einen Titel von Adoro gehört hat, weiß, wie es funktioniert: Opulente orchestrale Arrangements liefern die Basis für die neu eingesungenen Stücke, die man in der Regel allesamt mitsingen kann, da es sich um Chartstürmer handelt. Die Opernsänger (zwei Tenöre, drei Baritone) geben sich stimmlich die Klinke in die Hand. Will heißen: Man teilt sich die Lyrics häufig auf. Leider verzichtet man damit meist auch auf Mehrstimmigkeit, was ich schade finde, denn das Potential für eine polyphone Umsetzung ist hervorragend. Die Sänger lassen auch nicht das typische Operngehabe mit Vibrato und pipapo raushängen, sondern singen klar und mit sanfter Schönheit.

Ob es funktioniert? Manchmal. "Dein ist mein ganzes Herz" und "Tanz der Moleküle" sind echte Highlights. Vor allem das Arrangement zu Erstgenanntem ist gigantisch und hat mich vom ersten Ton an begeistert. Und auch Mias Paradesong wird glänzend neu interpretiert. Ein gesundes Mittelmaß stelle ich bei "Universum", "Bitte hör nicht auf zu träumen" und "Große Freiheit" fest. Diese Songs sind schon dafür geschaffen, mit symphonischen Klängen verfeinert zu werden und das Budapester Filmorchester leistet hier ganze Arbeit. Probleme habe ich aber mit "Halt dich an mir fest" und "Still". Diese genialen Tracks will ich einfach nicht in einer anderen Version als von Revolverheld und Jupiter Jones hören. Die neue Umsetzung klingt nett – okay – aber unnötig.

Einen ureigenen Song gibt es – eigens für Adoro geschrieben – nämlich den Titeltrack. Passt ins Konzept der gefühlvollen Popsongs. Wer noch was für die Optik braucht, greift zur Deluxe Edition mit Interview-DVD. Und ja: Adoro eignen sich (immer wieder) als Weihnachtsgeschenk für die Schwiegereltern.

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