White Crosses

Das vierte Album "New Wave" war 2007 das Major-Debüt der Band aus Florida und wurde trotz aller Unkenrufe des "drohenden Ausverkaufs" zum Liebling der Kritiker und bekam gar vom Spin-Magazin den Titel "Album Of The Year" verliehen. Danach durfte man immerhin die Foo Fighters supporten und Ende 2009 wurde leider ein neuer Schlagzeuger fällig. So ist Frontman und Mastermind Tom Gabel das einzige noch verbliebene Gründungsmitglied. Die Besetzungsfrage wurde gut gelöst, fügt sich Neuling George Rebelo doch perfekt in die Band ein. Wie aber sieht’s musikalisch aus? "New Wave" war schon leichter verdaulich und stärker am Massengeschmack orientiert als die kämpferischen Frühwerke. Sollte "White Crosses" wieder mehr Anstößiges zu bieten haben als das reißerische Sex-Sells-Cover?
Auch "White Crosses" bietet mehr Stadionrock als den Punk der Anfangstage. Kraftvoll und direkt werden uns die Songs um die Ohren geblasen und lassen die leider nur 36 Minuten Laufzeit wie im Flug vergehen. Da ist ein straight vorwärts treibender Titelsong mit melodischem Chorus, die Strahlkraft von "I Was A Teenage Anarchist" und die Spielfreude der Abgeh-Nummern "Because Of The Shame" und "High Pressure Low". Das klingt viel mehr nach Bon Jovi als nach den Sex Pistols und wird weitere treue Anhänger der frühen Jahre verprellen, doch warum soll Musik nicht auch Spaß machen dürfen?
"We’re Breaking Up" geht neue Wege und beschreibt als verklärende Rockballade mit Piano-Einschlag die zeitweisen Auflösungserscheinungen der Band, die glücklicherweise überwunden scheinen. Tom Gabel ist eindeutig reifer geworden und schreibt Musik für den Massengeschmack. Solange Dynamik und Leidenschaft dabei nicht flöten gehen, sei ihm das doch gestattet.