@#%&*! Smilers

Nein, der Titel von Aimee Manns neuem Album ist kein Tippfehler, es heißt wirklich so. Fortan werde ich es der Einfachheit halber zwar nur “Smilers“ nennen, aber den kompletten Namen sollte man zumindest im Hinterkopf behalten und sich nach “Smilers“-Durchläufen selber einen Reim auf den Zeichenwirrwarr machen – sehr unterschiedliche Deutungen des einzusetzenden Kraftausdrucks sind von Mann ausdrücklich erwünscht.
Aimee Manns siebtes Studioalbum beginnt mit einem Donnerknall ihrer songschreiberischen Klasse. “Freeway“ ist der perfekte Mittelweg zwischen Akustikgezupfe, tollem Storytelling, Popappeal und dem Drang nach der (erlebnis)offenen Straße. Der Song zeigt auf was über den kompletten “Smilers“-Verlauf klar werden wird. Das von Mann-Bassist Paul Bryan produzierte Album folgt der Ultima Ratio des perfekt instrumentierten Werks. Alles greift wie ein makelloses Zahnrad ineinander und über diesem Soundteppich thront Aimee Manns einzigartige Stimme und ihr geschichtenerzählerisches Talent, das man spätestens seit dem “Magnolia“-Soundtrack kennt. Es fällt schwer einzelne Songs der durchgehend starken Platte hervorzuheben. Jeder Track symbolisiert ein neues Glanzlicht und eine neue Musikerzählung der man andächtig lauscht. Zu erwähnen ist unbedingt das gespenstische und von Grant Lee Phillips (u.a. Grant Lee Buffalo) co-geschriebene “True Believer“ und die vergebliche Jagd nach dem zu viel versprechenden Scheinbarglück namens “Looking For Nothing“. Der Mann’sche Schreibstil fesselt einen vor den Lautsprechern und lässt auch nach der gutenachtsagenden Kerze im nächtlichen Fenster (“Ballantines“, mit Gastsänger Sean Hayes) nicht los.
Nach einem Konzept- (“The Forgotten Arm“, 2005) und einem Weihnachtsalbum (“One More Drifter In The Snow“, 2006) findet Aimee Mann mit “Smilers“ wieder zurück in die Spur der, simpel gesagt, neuen Platte. Dreizehn ehrlich und organisch instrumentierte Songs über Unterwegsseiende, nuancierte Everymen die jeder kennt, aber noch nie von ihnen gehört hat und das menschliche Innenleben von zumeist ungewöhnlichen Charakteren – man fühlt sich das ein oder andere Mal an einen Kultfilm der Coen-Brüder erinnert in dem Mann 1998 eine Gastrolle spielte. Das Leben produziert nicht nur Smilers, eine nicht neue Erkenntnis die niemand so stilvoll verpacken kann wie Aimee Mann. „Auf diesem Album ist die akustische Gitarre auf ganz neuer Weise präsent“, sagt die 37-jährige Musikerin. Recht hat sie! Und nicht nur die akustische Gitarre (auch die durch verzerrte Wurlitzer ersetzten elektrischen Gitarren), Aimee Mann ist ein sehr schönes, atmosphärisch dichtes Album gelungen. Die für Oktober/November geplante Tour durch Europa kann kommen!