Flavors Of Entanglement

Vier Jahre nach ihrem letzten Studioalbum "So Called Chaos" gibt es endlich wieder neues von Alanis Morissette zu hören. Nachdem sie zuletzt ihre größten Hits auf "The Collection" zusammengefasst hatte, ging es nun gemeinsam mit Produzent Guy Sigsworth ins Studio um 11 neue Songs für ihr aktuelles Album "Flavors of Entanglement" aufzunehmen.
Seit ihrem internationalen Durchbruch mit "Jagged Little Pill" hat die gebürtige Kanadierin immer wieder neu mit ihrer Musik begeistert. Im Vergleich zu bekannten Hits wie "Ironic", "Thank You", "Hands Clean" oder "Everything" klingt beim ersten Hören von "Flavors of Entanglement" einiges ungewohnt. Aber man freundet sich sehr schnell mit der CD an. Denn trotz vieler neuer Einflüsse ist doch alles unverkennbar Alanis Morissette – und ihre eindrückliche Stimme und ihre poetischen tiefgründigen Texte prägen jeden Titel.
"Citizen Of The Planet" eröffnet mit exotischer Percussion und überraschend harten Rhythmen im Refrain. Noch düsterer finden sich diese harten rockigen Klänge auch in "Versions Of Violence" wieder. Vertrauter klingt die erste Single "Underneath", die Alanis auch schon live vorgestellt hat und mit dem sie dazu aufruft, mit wichtigen Veränderungen bei sich selbst anzufangen.
Die Begleitung von "Straitjacket" ist komplett am Computer entstanden und wirkt teilweise sehr aggressiv. Dies verstärkt aber nur die Aussage des Songs, in dem es darum geht, wie einen andere Menschen in den Wahnsinn treiben können. Sehr atmosphärisch gibt sich dagegen "Moratorium", mit einem wunderschönen instrumentalen Streicher-Schlussteil – aus diesem Stück stammt übrigens der Albumtitel.
Immer wieder faszinierend ist die unglaublich Emotionalität von Alanis Stimme. Diese wirkt bei diesem Album umso stärker, da die sehr persönlichen Songs nicht wie bei den meisten anderen Alben im Rückblick, sondern direkt aus der jeweiligen Situation heraus entstanden sind. So halfen ihr die Stücke auch durch schwierige Momente hindurch, sagt Alanis selbst. Bei manchen Songs wird dies besonders deutlich, beispielsweise bei der wunderbaren Ballade "Torch", einer ergreifende Klage über den Verlust einer geliebten Person, die sofort mein Herz erobert hat. Ähnlich berührend auch der nur von Piano begleitete Titel "Not As We", der den Lernprozess nach dem Ende einer Beziehung beschreibt, bei dem man immer wieder bei Tag eins neu beginnt.
Ungewohnte elektronische Effekte prägen "Giggling Again For No Reason" und verschleiern etwas die eigentlich einfache und sehr harmonische Melodieführung. Dieser Song würde mir anders arrangiert wahrscheinlich besser gefallen, aber er hat auch irgendwie was. Mit dem melodischen und sich im Refrain ausrufend steigernden "Incomplete" steht am Ende des Albums die Erkenntnis, dass man im Leben niemals ganz fertig wird – hoffentlich auch als Versprechen zu sehen, dass dies nicht Alanis letztes Werk bleibt!
Mit "Flavors of Entanglement" präsentiert uns Alanis Morisette einen neuen Höhepunkt ihres künstlerischen Schaffens und gestattet uns einmal mehr einen Blick in ihr Seelenleben. Natürlich wird es je nach persönlichem Geschmack geteilte Meinungen zu den einzelnen Stücken geben, aber das Album insgesamt ist absolut hörenswert. Mich hat es zumindest vollkommen überzeugt und bekommt nur deshalb keine 9 Sterne, weil ich mir grundsätzlich noch einen Stern für die ultimative CD offen halte.
Hier findet ihr übrigens noch ein schickes Webwheel, auf dem ihr euch alle Songs des Albums anhören könnt!