To Be Still

Lange haben begeisterte Kritiker und euphorische Fans auf das neue Album der Amerikanerin Alela Diane gewartet. Fast fünf Jahre sind seit dem ursprünglichen Do-it-yourself-Erscheinen des gefeierten Debüts “The Pirate’s Gospel“ – via regulärer Plattenfirma kam die LP im Jahr 2006 heraus – vergangen. Es wurde Zeit. “To Be Still“ heißt das neue Baby der Prinzessin des neuen, merkwürdigen amerikanischen Folks. Die 25-jährige Kumpanin von Joanne Newsom hat sich wahrlich Zeit gelassen und schmückt ihr aktuelles Werk sogleich (für ihre Verhältnisse) opulent aus. Erdnahe Grazie gibt es natürlich immer noch, nur reduziert und äußerst zart instrumentiert ist sie nicht mehr, diese musikgewordene Selbsthäkelmütze.
Alela Diane Menigs (so ihr voller Name) Akustikgitarre und ihre sirenenhafte Stimme gibt es auf “To Be Still“ natürlich immer noch, nur hat die Dame ihr Instrumentenspektrum erweitert. Im Studio von Daddy Menig baute Töchterchen Alela, während der Aufnahmen zum neuen Album, allerhand putzige Zwischentöne ein. So spielt der alte Grateful Dead-Coverband-Kumpel – und gleichzeitig derjenige, der Jerry Garcia damals das Bedienen dieses Instruments beibrachte – von Papa Menig, Pete Grant, Pedal Steel, Rondi Soule schwingt die Geige, Matt Bauer zupft das Banjo, Tom McGee Bevitori darf am vorher noch nie von ihm bedienten Bass ran und Nina Gerber verdingt sich bei zwei Nummern an der Gitarre. Alela Diane scharte in Nevada City eine große Familie aus Freunden und Verwandten um sich, ganz so, wie man sich es bei musizierenden Neo-Hippies vorstellt.
Ob Ms. Menig jetzt zur weiblichen Will Oldham-Variante werden möchte, oder das vielleicht bereits ist, interessiert so wenig, wie Geschichten über Trips auf Grateful Dead-Konzerten, die Alelas Vater vielleicht zu erzählen weiß. Diane in eine Schublade zu pressen macht so wenig Sinn, wie eine Maiglöckchenpflanzung in der Wüste. Die hübsche Amerikanerin mit dem ovalen Gesicht und den braunen Pippi Langstrumpf-Zöpfen hat ihre eigene Vision vom goldenen Americana-Gral. Eine Stimme, die in Sachen Spiritualität locker mit Joni Mitchell mithalten kann, eine feingliedrige Instrumentierung, die den ruhigen Nummern des Crosby, Stills & Nash-Debüts entlehnt sein könnte und überall Gospel, Blues, Country, Pop, Folk und was die nordkalifornische Schatzkiste noch so alles hergibt.
Alela Diane bleibt auch mit “To Be Still“ eine der angenehmeren Hippie-Sirenen der Moderne. Man muss ihre Stimme zwar mögen, um auf Albumlänge auf seine Kosten zu kommen, aber wer dies tut, bekommt junges Liedgut mit ganz viel Seele. Fein gezeichneter Transcendental-Folk, einer dem Geheimtippstatus ade sagenden Jungkünstlerin.