Alias Eye

In Focus

Veröffentlicht: 15.01.2007 / QuiXote / Pängg

Von: Andreas Weist

Alias Eye

Als jemand, der auf Progressive Rock steht, ist es schon überraschend, dass die Mannheimer Band bisher komplett an mir vorüber gegangen ist. Vor allem wo Mannheim doch gar nicht sooo weit weg liegt. Dabei ist „In Focus“ bereits der vierte Longplayer, wenn man die Demo-Mini-CD aus dem Jahr 2000 mitzählt.

Die Musik ist sehr komplex und um einiges härter, als ich erwartet hätte. Besonders auffällig und erfrischend klingt die stellenweise ungewöhnliche Instrumentierung mit Akkordeon („Enlighten Them“) und Didgeridoo (am Ende von „Rhodesian Rhapsody“). Schon im Opener „I’m Your Lie“ wird die Richtung klar: Starker Keyboard- und Gitarrensound im Wechsel mit gefühlvollen Artrock-Passagen. Philip Griffiths hat eine beeindruckende Stimme, die allerdings in den lauten Songs zeitweise zu sehr in den Hintergrund rückt. „In Denial“ besticht durch interessante Piano-Passagen, während bei „The Call“ vor allem das virtuose A-cappella-Intro und die eingebauten Telefonklänge etwas Pepp in den Song bringen.

Anspieltipp ist neben dem bereits erwähnten „Enlighten Them“ vor allem der Song „Books“, eine gefühlvolle Ballade, in der Griffiths sein ganzes vokalistisches Können in die Waagschale wirft. Vor allem in den emotionalen und ruhigen Teilen erinnert seine Stimme etwas an Elton John – und das soll jetzt bitte keiner negativ verstehen. Philip Griffiths besitzt eine charismatische Stimme und ich werde mir sicher in naher Zukunft mal ansehen, wie er auf der Bühne wirkt.

Einige Töne Glockenspiel, dann wird mit „History Lesson“ wieder die härtere Gangart eingelegt. Überhaupt liegt der Schwerpunkt des Albums in rockigen, harten Tönen. Die Songs bewegen sich alle im 3-5minütigen Rahmen. Eigentlich recht ungewöhnlich für das Genre, aber hier auf jeden Fall passend, z.B. in „Rhodesian Rhapsody“, das interessante Anklänge an die Rocksongs der 80er beinhaltet. „Hold On“ beginnt ebenfalls als pianogetragene Ballade, beeindruckt mich aber nicht so sehr wie „Books“. Druckvoll geht es in „To Be or Not to Be“ und „Falling“ weiter, bevor das Album mit „How We Perceive“ leise ausklingt. Der letzte Song als Duett mit Anna-Sabrina Lopp eingesungen bildet den krönenden Abschluss eines gelungenen Albums. Fast.

Einen Hidden Track gibt’s auch noch. Muss das wirklich sein? Naja – zumindest der Text ist lustig: „You found the hidden track – I goddam fancy that.“ Witzig. Doch. Ehrlich.

Fazit: Meine volle Empfehlung für alle Fans des Melodicrock. Diesmal nicht so pompös ausgefallen, wie erwartet, sondern sehr straight und erdig. Sicher hat der neue Gitarrist Matze Wurm großen Anteil daran. Es gibt sehr prägnante aber auch komplexe Melodielinien – und die härtere Gangart tut dem Album im Gesamten sehr gut. Hört mal rein.

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