The Eyes Of Alice Cooper / Dirty Diamonds (Re-Release)

Beflügelt vom Erfolg des Konzeptwerks "Along Came A Spider" macht es durchaus Sinn, dem Backkatalog des neuen Jahrtausends eine zweite Chance zu gönnen. Leider wurde Alice Cooper in den Vorjahren nicht gerade vom kommerziellen Erfolg verwöhnt, doch das düstere neue Album führte zu ordentlichen Chartplatzierungen allerorten.
Nach "Brutal Planet" und "Dragontown" gab es 2003 jedoch zunächst mal eine Pause im Reigen der Umsetzung von Story-Konzepten. So war "The Eyes Of Alice Cooper" auch nicht der von manchen erwartete dritte Teil der SF-/Horrorgeschichte, sondern ein eigenständiges Album, das zudem noch eine erneute musikalische Veränderung mit sich brachte. Cooper orientierte sich nämlich nach den Ausflügen in Richtung Industrial Rock nun am klassischen Garagenrock der 70er Jahre und beschritt damit wiederum andere Wege. Um dem trotzdem einen modernen Klang zu verleihen, umgab er sich mit einer Reihe junger Musiker, die ihn weg vom orchestralen Sound und hin zu einer straighten Performance führten. Stellvertretend für den neuen Sound möchte ich "Detroit City" nennen, aber auch "Backyard Brawl" und "Novocaine" sind nicht von schlechten Eltern. Gefühlvoller wird’s mit "Bye, Bye, Baby" und dem ironischen "The Song That Didn’t Rhyme". Hervorzuheben sind zudem die ausgesprochen genialen Fotos des Künstlers im Booklet.
"Dirty Diamonds" schließlich – das 24. Studioalbum (!) – war gleichzeitig auch das chartmäßig höchstplatzierte seit Mitte der 90er Jahre und zog die fulminante Performance im Rahmen des Montreux Jazz Festivals nach sich. "Woman Of Mass Distraction" ist einfach der perfekte Opener und kommt auch live immer wieder gut. Weitere Highlights sind die Country-Hommage "The Saga Of Jesse James", das abrockende "Steel That Car" und der Mundharmonika-Blues von "Zombie Dance". Auch beim Re-Release hat es die mit Xzibit eingespielte Rap-Nummer "Stand" in den Bonusbereich geschafft. Facettenreich und gut präsentiert sich der Altrocker hier – rauer und noch etwas ungeschliffener als auf dem Vorgänger, der in der Produktion bisweilen zu glatt und perfekt klingt.
In der Entscheidungsfindung zwischen beiden Werken würde ich mich wohl stets wieder für "Dirty Diamonds" entscheiden. Doch seid Erscheinen von "Along Came A Spider" findet kaum noch ein anderes Spätwerk des Schockrockers den Weg in meinen Player.