Alice In Chains

Black Gives Way To Blue

Veröffentlicht: 25.09.2009 / Virgin / EMI

Von: Thomas Kröll

Alice In Chains

Vor diesem Album hatte ich ein wenig Angst. Alice In Chains gehörten in den 90er Jahren mit Alben wie "Facelift" (1990) oder "Dirt" (1992) zu meinen ganz grossen musikalischen Helden, bevor es mit dem unsäglichen "Alice In Chains" von 1995 langsam bergab ging. 2002 starb dann ihr ebenso charismatischer wie selbstzerstörerischer Frontmann Layne Staley und die Band war Geschichte. Bis, ja bis sich im Spätsommer 2008 die verbliebenen Mitglieder Jerry Cantrell, Sean Kinney und Mike Inez auf Vorschlag ihres langjährigen Freundes Dave Grohl von den Foo Fighters mit dem Produzenten Nick Raskulinecz trafen. Im Frühherbst richteten sich Band und Produzent dann in Grohls Studio 606 in Northridge, Kalifornien ein und begannen mit der Arbeit an dem ersten Studioalbum von Alice In Chains seit mehr als zehn Jahren. In William DuVall stieß ein neuer Sänger hinzu, der bereits bei der Tourband zu Jerry Cantrells Solowerken Gitarre gespielt und gesungen hatte. Das fertige Ergebnis liegt nun in Form von "Black Gives Way To Blue" vor.

"Hope, a new beginning/Time, time to start living/Like just before we died/There`s no going back/to the place/we started from" sind die bezeichnenden ersten Zeilen des Openers "All Secrets Known". Sie sind gleichzeitig der Auftakt für elf Songs über Glaube und Durchhaltevermögen und der erste Schritt auf dem Weg der Heilung und neuen Hoffnung nach dem Tod von Layne Staley. "Letzten Endes", so Cantrell, "ist Black Gives Way To Blue ein Album, das für Alice In Chains vom Überleben handelt. Und Überleben ist etwas, das man feiern sollte".

Tatsächlich atmet das Album viel von dem kraftvollen Alice In Chains-Spirit, den man von früher her kennt. Das hier sind zwar nicht mehr Alice In Chains mit Layne Staley, aber immer noch unverwechselbar Alice In Chains. William DuVall begeht dabei glücklicherweise nicht den Fehler seinen Vorgänger imitieren zu wollen. Dessen Fußstapfen wären wohl auch ohnehin zu gross. Er entwickelt seinen eigenen Stil, an den man sich aber gerade bei den ruhigeren Stücken erst noch gewöhnen muss, der jedoch insgesamt bestens zum düster-fetten Sound der Band passt. Und obwohl das Quartett mit "Black Gives Way To Blue" kein musikalisches Neuland betritt, klingt die Musik gereifter, vielleicht sogar befreiter als noch mit Layne Staley. Dies liegt sicherlich nicht zuletzt am exzellenten Songwriting von Jerry Cantrell (aus dessen Feder alleine neun der elf Songs stammen), welches einmal mehr höchsten Ansprüchen genügt. Es klingt vor allem sehr viel optimistischer, auch wenn die melancholischen Momente ebensowenig fehlen.

Das hymnische "Check My Brain", die erste Single "A Looking In View", "Acid Bubble", "Lessons Learned", "Private Hell" oder "Take Her Out" bieten all jene typischen Zutaten, die wir an Alice In Chains schon immer geliebt haben: Fette Gitarren, abwechslungsreiche Arrangements und ein wundervoller mehrstimmiger Gesang. Hinzu kommen mit "Your Decision" und insbesondere "When The Sun Rose Again" zwei grossartige Balladen, die ebenso gut ihren Platz auf den beiden Akustik-Alben der Band "Sap" (1992) und "Jar Of Flies" (1994) hätten finden können. Einzig "Last Of My Kind" haut mich nicht vom Hocker. Das Stück hat zwar ein paar nette Gitarrensoli zu bieten, klingt ansonsten aber seltsam uninspiriert. Und mit dem Titelsong hat sich die Band leider auch keinen Gefallen getan. Das als Tribute für Layne Staley gedachte Stück ist mir etwas zu schmalzig geraten. Vielleicht liegt es auch daran, dass hierbei mit Elton John ein in dieser Zusammenstellung eher unerwarteter Gastmusiker am Piano saß.

Unter dem Strich bleibt trotz allem eindeutig festzustellen, dass Alice In Chains mit "Black Gives Way To Blue" eine überzeugende Rückkehr gelungen ist. In musikalischer Hinsicht ist das Album zwar kein Neuanfang, sondern eher die Fortsetzung ihrer früheren Werke (was absolut positiv zu werten ist), aber jetzt um zehn Jahre hörbarer Lebenserfahrung bereichert. Oder wenn man das Cover als Metapher heranziehen möchte: Das Herz von Alice In Chains schlägt wieder. Und das ist ein gutes Gefühl!

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