As I Am (The Super Edition, CD & DVD)

Das dritte Erfolgsalbum der elffachen (!) Grammy-Gewinnerin erschien bereits vor genau einem Jahr. Jetzt könnte man sich fragen: Hat die New Yorkerin es wirklich nötig, eine sogenannte „Super Edition“ eines alten Albums auf den Markt zu bringen, statt neues Material zu schreiben? Sicher nicht – doch der Grund fürs nochmalige Vermarkten ist natürlich ihre Mitwirkung am neuen Bondsong. Und diese Adelung sollte allemal Grund genug sein, sich neue Käuferschichten zu erschließen. Blöd für alle, die das Teil schon im Regal haben – doch auch für diese gibt es mit fünf Livesongs auf DVD einen relativen Mehrwert.
Wie der Schauspieler, so spielte auch die Musik von Beginn an eine entscheidende Rolle bei James Bond. Wie viele Titelsongs zu den Filmen kann man aus dem Effeff aufzählen? Da war in der Anfangsphase Shirley Bassey mit „Goldfinger“, Nancy Sinatras „You Only Live Twice“, der erste große Soloerfolg McCartneys „Live And Let Die“ und das schmachtende „For Your Eyes Only“ von Sheena Easton. Auch in den 80ern und 90ern durften die Megastars der Musikszene ran – und es war kein Wunder, dass man sich um diese Ehre riss, weil sie immer einen Popularitätsschub bedeutete: Duran Duran lieferten „A View To Kill“, Tina Turner „GoldenEye“ und Madonna „Die Another Day“. Die Reihe ließe sich komplettieren, doch das würde hier den Rahmen sprengen. Schließlich geht es ja um das aktuelle Werk – und da hat sich zur allgemeinen Überraschung Alicia Keys durchgesetzt. Die Wahl ist eigentlich nicht ungewöhnlich, bedenkt man die großen Erfolge ihrer letzten Outputs, doch mit den Namen aus der Gerüchteküche von Amy Winehouse über Duffy bis hin zu Britney Spears war die Konkurrenz wahrlich groß.
Chris Cornell ist bei „Casino Royal“ ziemlich gescheitert. „You Know My Name“ wird kaum in die Annalen der Bondsongs eingehen. Und ehrlich gesagt überzeugt mich die aktuelle Kompostion von Jack White „Another Way To Die“ auch nicht besonders. Das prägnante Thema ist vorhanden und die typische Atmosphäre wird zumindest annähernd erreicht, doch eingängig ist anders. Alicias Stimme passt leider gar nicht zu dieser Art von Musik. Sie legt viel Enthusiasmus in die Hip-Hop-Elemente und versieht die Vocals mit ungewohnter Aggressivität, doch leider kann mich das auch nach mehrmaligem Anhören keineswegs überzeugen.
Viel besser sind da schon die anderen beiden neuen Tracks. „Doncha Know (Sky Is Blue)“ bringt uns die Ausnahmestimme zurück und unterlegt die in höchste Sphären schwebenden Vocals mit einem beschwingten Rhythmus. „Saviour“ ist ein eingängiger Song mit viel Seele, der fröhlich ins Ohr geht und gewiss Hitpotential hat. So wird das Album von normaler Albumlänge auf immerhin fast 70 Minuten aufgepeppt. Gemeinsam mit der DVD ist das mir klare 8 Sterne wert. Immerhin enthält der Longplayer Perlen wie „No One“. „Like You’ll Never See Me Again“, „Superwoman“ und das famose „Teenage Love Affair“. Eine Reihe von Gründen, sich dieses astreine R’n’B-Album noch zuzulegen, wenn es bisher in der Sammlung fehlt. Die Nummer 1 in den USA, Platz 6 in Deutschland und immerhin zwei Grammys 2008 für den Song „No One“ und die Best Female R&B Vocal Performance sprechen für sich.
Die DVD fällt mit fünf Songs und keinem weiteren Material leider recht kurz aus. Das genügt aber zumindest, um sich einen Eindruck von Alicias Livestärke zu machen. Spätestens wenn sie sich zu „Superwoman“ ans Piano setzt und selbst in die Tasten haut, wird man von ihrer enormen Bühnenpräsenz umgehauen.