Exodus - Slaves For Life

Na das lob ich mir doch mal. Da höre ich die ersten Songs des Debütalbums einer mir bis dato gänzlich unbekannten Progband und kann ohne weiteres darauf schließen, worum sich das Konzept des teilweise hörspielartig angelegten Albums dreht. Okay, so schwer ist es auch nicht zu erraten. Die Band stammt aus Israel, der Titel lautet „Slaves For Life“ und die Zwischentexte werden hebräisch gesprochen. Wasser und Babygeschrei deuten auf den ausgesetzten Moses hin, die zehn Plagen werden dramaturgisch intensiv dargestellt. Bei den heutzutage so gern genommenen verwirrenden SF-Themen ist die Interpretation dieses biblischen Themas vom Auszug der Israeliten aus Ägypten doch ein erfreuliches Beispiel für die Verknüpfung überlieferter Epen mit einem episch breiten Musikstil.
Amaseffer stammen aus einem Land, das durch seine unterschiedlichen kulturellen Einflüsse und die Lage in der Schnittmenge europäischer und orientalischer Philosophien eine Reihe spannender Bezugspunkte bietet. Der israelische Popstar Aviv Geffen hat durch seine Kollaboration mit Steven Wilson die Klänge des Landes in der Progszene salonfähig gemacht. Doch Amaseffer gehen noch einen Schritt weiter und verbinden Rock und Metal im Stile Dream Theaters und Opeths mit der Worldmusic und den orientalischen Klängen ihrer Region. Das klingt dann keineswegs aufgesetzt sondern in sich geschlossen. Eine beachtliche Leistung!
Als Sänger konnte man den ausdrucksstarken Mats Leven (ehemals Yngwie Malmsteen) gewinnen. Es gelingt ihm auf Anhieb, die dramatische Story mit Leben zu füllen – oft sehr theatralisch, aber mit dem nötigen Maß an Zurückhaltung, um den Lauf der sphärischen Musik nicht zu stören. Wie bei Opeth werden auch mal extreme, rohe Vocals benötigt, beispielsweise in „Midian“. Dafür wurde die Arch Enemy-Sängerin Angela Gossow verpflichtet, die diesen Part hervorragend meistert. Als weitere Verstärkung wirken drei israelische Gastsänger mit.
Wie es sich für ein lupenreines Progwerk gehört, bieten die meisten Songs Überlänge. Erez Yohanan ist neben dem Schlagwerk auch für die hebräische Erzählstimme verantwortlich und macht seine Sache sehr gut. An den Gitarren wirken Hanan Avramovich und Yuval Kramer, die ein breites Spektrum von ausufernden Frickeleien über standesgemäße Rockpassagen bis hin zu ruhigen orientalischen, bisweilen gar klassischen Klängen zu bieten haben. „Wir versuchen uns auf die Emotion und die Atmosphäre der Szene zu konzentrieren und spielen es dann so, wie wir es fühlen. Deswegen ist unsere Musik so stark an Filmmusik orientiert“, beschreibt Erez das Zustandekommen der Stücke. Kein Wunder also, dass man schon für den Soundtrack eines israelischen Films engagiert wurde und inzwischen auch Musik für Computerspiele komponiert.
Viele Metaller haben sich schon an alttestamentlichen Themen und antiken Epen versucht, doch ich finde, das ist noch keinem so gut gelungen, wie Amaseffer, die damit ein beachtliches Erstlingswerk auf den Markt bringen. Soviel musikalische Reife hätte ich den Youngstern (meist so Mitte 20) nicht zugetraut. Haltet die Band im Auge. Ich prophezeie eine große Zukunft im Progmetal-Genre, wenn sie den Standard halten können.