Ani DiFranco

Red Letter Year

Veröffentlicht: 02.10.2008 / Righteous Babe Records / Rough Trade

Von: Sascha Knapek

Ani DiFranco

Ani DiFranco singt fröhliche Songs. Ein Widerspruch? Nicht auf der neuen DiFranco-Platte ”Red Letter Year“! Ein frisches Mantra habe sie, sagt die 38-jährige Sängerin im Song “Present/Infant“. „Vergiss niemals Spaß zu haben“, heißt es und DiFranco kommt diesem Slogan auf ihrem sechzehnten Studioalbum seit “Ani DiFranco“ (1990) auch wunderbar nach. Natürlich lässt sie die zeitgenössische Politik nicht kalt, aber die Frau aus Buffalo, New York ist mit der Geburt ihrer Tochter Petah Lucia etwas ruhiger und abgeklärter geworden. Auf ihrem aktuellen Album präsentiert sie dem Hörer genau diese neue Seite und nimmt uns mit auf eine ganz besondere Party.

“Red Letter Year“ war über zwei Jahre in der Mache, etwas durchaus ungewöhnliches für die sehr produktive Feministin. Schwangerschaft, Geburt und die neue Band im Rücken – Todd Sickafoose (Upright Bass), Mike Dillon (Vibrafon, Percussion), Allison Miller (Drums) – sind neben der selbst verordneten Verschnaufpause einige der diesbezüglichen Gründe. Ani DiFranco kommt nun relaxed und hellwach zurück. Im Gepäck hat sie zwölf liebevolle, sanfte und durchweg das Leben feiernde Songs. Die Songschreiberin sagt immer noch genau das, was sie denkt, nur gibt es mittlerweile neue Themen und Blickwinkel in ihrem Kopf.

Die Gäste und der Entstehungsort sagen viel über den Geist von “Red Letter Year“ aus. New Orleans dient als kulturelles Fundament und Musiker wie Jon Hassell (u.a. Peter Gabriel, Ry Cooder), Richard Comeaux und C.C. Adcock (u.a. Bo Diddley) unterstützen DiFranco und ihre Band mit jeder Menge zappelnder Südstaatenenergie. Ganz besonders der letzte Track “Red Letter Year (Reprise)“ wird dadurch zum pulsierenden Klassenprimus einer Platte, die ohne großartige Schwachpunkte auskommt.

Das von DiFrancos Lebenspartner Mike Napolitano (u.a. Joseph Arthur, The Twilight Singers) co-produzierte Album schafft es, die US-Amerikanerin mit anderen Augen zu sehen. Aus der schwadronierenden Feministin ist zusätzlich – Zeilen wie I won’t pray to a male God / cuz that would be insane gibt es selbstredend immer noch – eine unbeschwerte Spaßsucherin geworden. Was Kinder alles bewirken können.

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