Neon Bible

Es liegt auf der Hand, dass die Diskussion um das wichtige Zweitwerk auch bei Arcade Fire entbrennen muss. Und gerade diese müssen ein schweres Erbe antreten, war doch ihr Debutalbum „Funeral“ nahezu ein Meisterwerk. Songs wie „Rebellion (Lies)“ und „Haiti“ waren neuartige, melancholische, scheinbar in Traumwelten sich befindende Songs, die sich von der ganzen „England brennt“ Fraktion um die Arctic Monkeys und Co stark unterschied.
David Bowie war einer der prominentesten Verehrer der Band, „Wake up“ wurde berühmt als Einzugsmelodie von Manchester City und den Konzerten der „U2 Vertigo Tour“ und für Coldplay Kopf und Mastermind Chris Martin war/ist Arcade Fire „the greatest band in history“. Auf der einen Seite lässt dies die Hoffnung und Zuversicht ins unermessliche steigen, dass die Band den Erfolg von „Funeral“ mit ihrem Zweitwerk „Neon Bible“ übersteigen kann. Auf der anderen Seite bedeutet der Erfolg des Erstlings großen Druck. Doch den versuchen sie schon durch glänzende Mitarbeit Anderer zu reduzieren. Produziert wurde “Neon Bible“ von Markus Dravs, der u.a. auch schon für Björk zuständig war, sowie Scott Colburn (Sun City Girls, Animal Collective). Weitere Gäste sind u.a. Martin Wenk und Jacob Valenzuela von Calexico sowie Hadjii Bakara von Wolf Parade.
Das neue Album „Neon Bible“ hat übrigens tatsächlich einen kirchlichen Hintergrund. Erstens wurde es in der St. James Anglican Church nahe Montreal in Kanada aufgenommen und zum ersten Mal in einer Kirche in London aufgeführt. Dementsprechend dunkel und beschwörend klingt der Nachfolger zu „Funeral“.
Zweitens war Butler früher Theologiestudent.
Die aus Kanada stammende Kapelle besteht mit Butler aus sieben Mitgliedern (Tim Kingsbury, Jeremy Gara, Sarah Neufeld, Richard Reed Parry, Regine Chassagne, Win Butler und Will Butler) und hat auch mit dem Zweitwerk ein außerordentliches Album geschaffen. Alleine das Titelstück „Neon Bible“ überzeugt mit Butlers seichtem Gesang. Nahezu genial ist dann das Stück „Ocean of noise“, das genauso so klingt, wie es der Titel verspricht. Diese zauberhaften Melodien bekommen wohl im Moment nur noch die „Bright Eyes“ hin. Arcade Fire hat jedoch den enormen Vorteil der vielen Bandmitglieder und der Unmengen an musikalischen und instrumentellen Möglichkeiten.
Es gibt jedoch auch schwächere Songs, die es auf „Funeral“ in dem Maße nicht gab. „Black wave-bad vibrations“ beispielsweise ist ein fast schon nerviger Song, der mit Instrumenten einfach zu sehr überlagert wurde. Die Stimme tut dabei noch ihren Rest.
Insgesamt ist “Neon Bible“ jedoch ein würdiger Nachfolger von „Funeral“. Und auch wenn „Arcade Fire“ nicht die „greatest band ever“ ist, so ist sie eine, deren Alben eine Pflicht für jede gute Plattensammlung ist.