The Suburbs

Wie nicht anders zu erwarten wurde das dritte Album der Kanadier mit hohen Vorschusslorbeeren bedacht und musste damit einem großen Erwartungsdruck standhalten. Die ersten beiden Werke "Funeral" und "Neon Bible" sind in den letzten Jahren zu Standardwerken der Indie-Rock-Gemeinde avanciert und so verwundert es nicht, dass die achtköpfige Truppe um Win Butler und Régine Chassagne ein recht kopflastiges Album mit konzeptionellem Hintergrund vorlegt, um der stetig wachsenden Fangemeinde gerecht zu werden.
Butler erzählt, dass ein Zufall die Geschichte herausforderte, die hinter dem Album steckt: Ein alter Freund, mit dem er in den Vororten von Housten, Texas aufwuchs, hatte ihm eine Mail mit Fotos geschickt, die alte Erinnerungen weckte. Der Titel "The Suburbs" war damit ebenso schnell gefunden wie der Titeltrack, der das Album eröffnet und abschließt. Der Song kommt im folkigen Retrosound daher und entführt uns keineswegs in eine graue Vorstadt, sondern in den Ort schöner Erinnerungen und Träume. Nicht rau, sondern sehr warm und herzlich.
Die Nostalgie verlorener und wieder gewonnener Kindheitserinnerungen zieht sich durch das ganze Album und Butlers oft herzzerreißender, melancholischer Gesang tut sein Übriges dazu, der Interpretation die nötige Glaubwürdigkeit zu verleihen. "Ready To Start" läutet hymnisch die Rückkehr in die vergangene Welt ein. "Modern Man" lässt sich von sparsamen Popmelodien führen und wirft den Bombast vieler Arcade Fire-Songs ganz hinter sich. Und auch "Rococo" baut sich ganz vorsichtig auf und lebt von den Lautmalereien des Songtitels.
In "Empty Room" und "Half Light" greift Régine als zweite Gesangsstimme entscheidend ein. Gerade "Empty Room" wirkt mit einem Streicher-Stakkato und den eindringlichen Vocals im Duett äußerst zerbrechlich und zugleich sehr aussagekräftig. Solide Folksongs wie "Deep Blue" wechseln sich ab mit der Punk-Attitüde von "Month Of May" und sehr balladesken Momenten in "Suburbian War" und vor allem "Wasted Hours". So baut sich ein Soundgemälde in musikalischen Bildern auf, das in der weinerlichen Reprise von "The Suburbs" gipfelt.
Der Drei-Jahres-Rhythmus hat sich bewährt. Bleibt zu hoffen, dass Arcade Fire weiterhin solch wegweisende Alben schreiben. Auch das dritte Werk der Kanadier wächst mit jedem Hördurchgang und entfaltet eine natürliche Schönheit irgendwo zwischen Coldplay und den Fleet Foxes. Ein Album wie geschaffen für grüblerische Herbsttage.