Roses Are Black

Austin Collins, amerikanischer geht’s schon im Namen kaum mehr. Legt man dann die zweite Platte (“Roses Are Black“) des in Houston aufgewachsenen und mittlerweile in Austin wohnenden Texaners auf, begrüßt einen die familiäre Americana-Herrlichkeit, die man aus dem Hause ’Blue Rose’ mittlerweile kennen und schätzen gelernt hat. Collins’ Debüt hieß 2005 “Something Better“ und wurde von dem Songwriter damals fast im Alleingang eingespielt. Ein paar Jahre, viele gute Kritiken und diverse neue Songs sind seitdem ins Longhorn-Land gegangen. Da der Alleingang gestern war, holte sich Austin Collins für seine zweite LP jede Menge Unterstützung ins Studio und liefert jetzt einen gepflegten Roots-Rundumschlag ab.
Die Band, die Collins auf “Roses Are Black“ im Rücken hat, heißt The Rainbirds. Sie besteht aus den ehemaligen Dead End Angels-Mitgliedern Troy Wilson (Bass) und Craig Bagby (Schlagzeug) und dem Leadgitarristen Dylan McDougall. Neben ein paar Gästen wie der Geigerin Eleanor Whitmore und Todd Pertell (u.a. Pedal Steel) begleitet dieses Trio Austin Collins auf seiner Suche nach der befreienden Katharsis. Viele seiner Texte sind autobiografisch geprägt und nicht zuletzt der Closer “Goodbye Houston“ zeigt, wie der amerikanische Songwriter seine innerlichen Konflikte zu verarbeiten versucht. Die sechssaitige Verpackung mit dem angeranzten Cowboyhut passt da wie der Stern auf die Flagge von Collins’ Heimatstaat.
Produziert wurde das – selbstredend in Austin aufgenommene – zündende Gitarren-Arschtritt-Feuerwerk übrigens von niemand Geringerem als Centro-matic- und South San Gabriel-Mastermind Will Johnson. Zwischen dem ländlichen Country und den meterdicken Gitarrenwänden der zwölf vertretenen Stücke sorgt er für die Indie-Street-Credibility. Aber wer bei Songs wie “Can’t Say This At Home“, “House Without Windows“ oder “8 Dollar Thrills“ überhaupt Zweifel in diese Richtung hegt, hat sowieso nicht verstanden worum es hier geht.
Egal wie man das Genre nennen mag zu dem Austin Collins zählt. Manche nennen es No Depression, andere Alt.Country und ich am Anfang dieser Besprechung Americana. Die nuancierten Unterschiede sind vergleichsweise gering und jeder soll sich, wenn man so etwas wie Musik überhaupt kategorisieren muss, selbst aussuchen wie er oder sie den bärtigen Texaner gerne im eigenen Katalog abspeichern möchte. “Roses Are Black“ bewegt sich über 50 Minuten lang und mit einer traumwandlerischen Sicherheit in der Schnittmenge von Country und elektrischer Gitarrenverzerrung – dass einem dabei sofort Neil Young oder Son Volt einfallen liegt auf der Hand. Austin Collins hat sich diese prominenten Quervergleiche mit seinem zweiten Album vollstens verdient.