Aviv Geffen

Aviv Geffen

Veröffentlicht: 28.08.2009 / Mars Records / Rough Trade

Von: Andreas Weist

Aviv Geffen

Aviv Geffen ist in seiner israelischen Heimat einer der Superstars schlechthin. In Europa machte er vor allem durch die Zusammenarbeit mit Porcupine-Tree-Mastermind Steven Wilson in der Formation Blackfield von sich reden. Eigentlich wollten die beiden Freunde nur eine einmalige Projekt-EP veröffentlichen, doch wie so oft verselbständigten sich die Dinge und führten zu bisher zwei in Progkreisen hochgelobten Longplayern. Zudem macht Geffen immer wieder als Friedensaktivist von sich reden – er ist der Sohn des israelischen Dichters Jonathan Geffen und setzt sich seit seiner Kindheit vehement für den Frieden mit den palästinensischen Autonomiegebieten ein.

In Israel hat der 36jährige bereits zehn Soloalben veröffentlicht, die allesamt auf hebräisch eingesungen sind – keine guten Voraussetzungen für den europäischen Markt. Sein Erfolg mit Blackfield führte ihn allerdings Anfang 2009 (gemeinsam mit Steven Wilson) auf eine Europatournee, in deren Rahmen er sowohl Blackfield-Songs als auch eigene Solostücke mit englischen Texten zum Besten gab. Der enorme Erfolg vor allem bei der weiblichen Zuhörerschaft schien ihm recht zu geben. So nahm er sich aktuell Trevor Horn mit ins Boot, um ein astreines Popalbum zu produzieren, das allerdings mit Blackfield (wir wollen ehrlich sein) so gut wie nichts gemein hat.

Aviv wirkt auf dem Albumcover tiefgründig und geheimnisvoll – fast wie ein moderner David Bowie. Die Musik ist gefühlvoll, nur selten rockig, meist mit eingängigen Melodien versehen. Purer Pop. Anfangs darf man sich noch an seinem starken Akzent stören, doch das soll schnell zur Nebensache werden. Für Kenner seines bisherigen Werks findet sich mit "Cloudy Now" die englische Version eines Hits aus 1993, die mit dramatischen Worten das Leben der israelischen Jugend beschreibt. Als gerade mal 20jähriger ist er damit zum Idol dieser Jugend avanciert. Heute schreibt er über sein Leben, die breite Palette von Liebe und Glück, Verzweiflung und Drogenmissbrauch, Tod und Verlust. "Berlin" als Hommage an die deutsche Hauptstadt, die Geffen sehr mag, vergleicht die Liebste mit Berlin: "She was broken like Berlin / She was crazy like Berlin“. Mein Anspieltipp.

Geffen versucht sich in Artwork und betont schrillem Auftreten einen psychedelischen Touch zu geben, in die Fußstapfen von Lou Reed und Bowie zu treten. Musikalisch bleibt er dabei aber sehr brav. Die Tracks sind im Mainstream verhaftet, radiotauglich angelegt, ohne den orientalischen Touch, den man hätte erwarten dürfen. Produzent Trevor Horn ist auf Nummer sicher gegangen und hat Geffen für das europäische Debüt wohl nicht erlaubt, über sich hinaus zu wachsen. Aber auch so macht es Freude, der sonoren Stimme des israelischen Stars zu lauschen. Und beim nächsten Album darf er dann auch mutiger werden.

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