BAP

Radio Pandora (Plugged)

Veröffentlicht: 16.05.2008 / Capitol / EMI

Von: Thomas Kröll

BAP

Drei Jahre nach den ausgiebigen Feierlichkeiten zu "Dreimal zehn Jahre", dem 30jährigen Bandjubiläum (Doppel-CD, Mammuttour und DVD), legen BAP mit "Radio Pandora" ihr neues Studioalbum vor. Das erste seit 2004 ("Sonx"). Nein, eigentlich sind es zwei neue Alben. Zum einen in der klassischen Rock`n`Roll-Fassung (Plugged) und zum anderen als akustisches Unplugged-Werk. Zusammengenommen sind das 28 Songs oder fast zweieinhalb Stunden Musik. Zwei gleichwertige CDs, von denen deshalb auch jede für sich eine eigene Rezension verdient hat. An dieser Stelle soll es um die Abteilung "Plugged" gehen (das Review zu "Radio Pandora - Unplugged" findet ihr hier).

Der Albumtitel verweist auf den bekannten griechischen Uralt-Mythos, wonach durch das Öffnen der "Büchse der Pandora" alle in ihr enthaltenen Plagen (Krieg, Not, Armut, Tod, Krankheit) über die Menschheit hereinbrechen. Die Hoffnung aber bleibt an ihrem inneren Rand hängen. Natürlich sind Wolfgang Niedecken und Co. weit davon entfernt in Hoffnungslosigkeit zu erstarren. Im Gegenteil! Die vierzehn Songs auf "Radio Pandora (Plugged)" klingen erfreulich frisch und entspannt. Es sind Songs, die von Frauengeschichten, Männerfreundschaften, Religion, Sehnsucht, Liebe, Nostalgie, Einsamkeit, Respekt und Toleranz erzählen. Von Altklugheit oder gar Abnutzung keine Spur. BAP präsentieren sich so spiel- und experimentierfreudig wie schon länger nicht mehr.

Dafür steht schon der Titelsong "Hühr zo, Pandora", eine treibende Blue Grass-Nummer. Oder "Kron oder Turban" mit seinem Rhythm & Blues und einem grossartigen Text. Es gibt Leute, die werfen Wolfgang Niedecken mittlerweile eine Art von Berufsbetroffenheit vor. Aber wer schafft es außer ihm, den Hörer mit wenigen Minuten Lyrik in die Flüchtlingslager von Nord-Uganda zu versetzen und die Einsamkeit und Trauer der Kinder dort förmlich am eigenen Körper spürbar zu machen ("Noh Gulu"). "Wat für e`Booch" bezieht sich dagegen auf Jack Kerouacs "On The Road", die Bibel der Beat Generation schlechthin. Teilweise klingt Niedeckens Gesang ungewohnt rau ("Diego Paz wohr nüngzehn") und beschwörend ("Wolf un Skorpion"). Bei "Wa`ss loss met dä Stadt" (gemeint ist nicht Köln) sieht man ihn fast greifbar vor sich, wie er mit Anzug und Zylinder rauchend auf einem Barhocker in irgendeiner New Yorker Hotellobby sitzt, vor sich ein halbvolles Glas Whisky.

Früher hießen Niedeckens Helden Andy (der mit dem Escort) oder Eddie (der blonde Mohikaner). Heute heißen sie Jimmy, Frankie oder Bobby. So ist die erste Single "Morje fröh doheim" die logische Fortsetzung von "Frau, ich freu mich", nur ohne Happy End. "Frankie un er" setzt da an, wo "Sendeschluss" (vom 1984er "Zwesche Salzjebäck un Bier") aufgehört hat, diesmal aber aus der Sicht des Vaters. Und die Touren an den Strand von Zandvoort kennen wir doch auch alle, oder nicht?! Gerockt wird natürlich ebenfalls, wobei "Musik, die nit stührt" und insbesondere "Et ess, wie`t ess" (mit einem typischen Stones-Riff als Intro) vergleichsweise unoriginell daherkommen. Auch der Bonustrack "Für immer jung" (ein Cover von Bob Dylans "Forever Young") ist nicht unbedingt mein Film.

Die Höhepunkte auf "Radio Pandora (Plugged)" sind andere. "Prädestiniert", ein wunderschön warm klingendes Mahnmal für all die Höhen und Tiefen des Lebens, auch Schicksal genannt. Und ganz besonders "Songs sinn Dräume", ein Stück, das Musik als Inspiration, Quelle der Kraft, Zufluchtsort und Trost beschreibt. Wunderbar! Und wahr! Auch "Radio Pandora (Plugged)" nimmt den Hörer mit zu den Quellen, aus denen BAP noch immer ihre Identität und Inspiration schöpfen. Das Ergebnis ist ein jederzeit leidenschaftliches und gradliniges Album! Für die Liebhaber der guten alten Schallplatte gibt es "Radio Pandora" übrigens auch als Dreifach-Vinyl. Auf den drei Scheiben sind alle Pandora-Songs enthalten, ob nun plugged oder lieber unplugged.

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