Radio Pandora (Unplugged)

"Radio Pandora (Unplugged)" ist wie eine musikalische Reise durch unsere Gefühlswelten und beweist einmal mehr, warum Wolfgang Niedecken nach wie vor zu den besten Songlyrikern Deutschlands gehört. Für die Unplugged-Edition haben BAP acht Songs des "Plugged"-Albums akustisch eingespielt. Dazu kommen vier neue Stücke und zwei weitere Coverversionen (ein Review der Plugged-Fassung findet ihr hier). Die Intensität der einzelnen Songs hat dabei noch einmal zugenommen. Wolfgang Niedecken malt zur Musik Bilder von der Band, die im Niemandsland Marschmusik spielt, von Herzen aus Leder, vom Höllenfeuer, das vom Himmel fällt oder dem Schmerz unserer Vergeblichkeit. Aus der Ferne unserer Erinnerung grüssen dazu James Dean und Elia Kazan jenseits von Eden.
Schon der Opener "Magdalena (weil Maria hatt ich schon)" ist neu und schlichtweg grossartig. Ein herrlich leicht instrumentiertes Stück das einen davonträgt bis mitten hinein in die marokkanische Wüste. Ebenfalls neu auf "Radio Pandora (Unplugged)" sind "Enn`ner Naach wie der", "Senor", "Duude Bloome", eine lustige Country-Nummer (im Original "Dead Flowers" von den Stones) sowie "Dä letzte Winter em letzte Kreech", dessen fröhliche Instrumentierung zunächst so gar nicht zum eher düsteren Text passen will. Bis man erkennt, dass der Song eigentlich von Hoffnung handelt. Dazu noch das von Bob Dylan eingekölschte "Jed Körnche Sand" ("Every Graind Of Sand").
Der Rest ist von der Plugged-Fassung bekannt. Und irgendwie doch nicht. Denn durch den Einsatz von Akustikgitarre, Bongos, Banjo, Akkordeon, Mundharmonika, Geige oder Piano erhalten die Arrangements ein fast völlig neues Gesicht. "Frankie un er" etwa klingt hier noch weitaus melancholischer. Oder "Wa`ss loss met dä Stadt", das in dieser Interpretation stark an frühe Tom Waits-Werke erinnert. Nicht zu vergessen, das schon plugged grandiose "Songs sinn Dräume". Rein akustisch wird daraus einer der vielleicht schönsten BAP-Songs die es jemals gab. Das Piano, ein paar Zupfer der Akustikklampfe, eine schüchterne Orgel und der Gesang. Nicht mehr und doch so viel.
Man spürt in jedem Ton die Liebe und Sorgfalt, die BAP in dieses Album investiert haben. Niedecken packt dazu unsere Empfindungen in Worte. Die hellen und dunklen Seiten des Lebens. "Radio Pandora (Unplugged)" ist ein hochatmosphärisches und eindringliches Stück Musik. Gut 70 Minuten, die BAP mit einer Würde absolvieren, die sie in ihrem gerade begonnenen vierten Bandjahrzehnt absolut glaubhaft rüberbringen, ohne auch nur eine Sekunde lang peinlich zu wirken. Haben uns Pandoras Plagen besiegt? Die Antwort lautet: Niemals!