Basement Grace

empty veins / a scar

Veröffentlicht: 19.12.2008 / Eigenvertrieb

Von: Thomas Kröll

Basement Grace

Wenn man am Ende eines Jahres die vergangenen 12 Monate noch einmal musikalisch Revue passieren lässt, merkt man erst so richtig, wieviel Müll man sich in dieser Zeit hat anhören müssen. Es ist ja nicht so, dass sich in meinem und den CD-Playern der Kollegen nur die grossen Stars tummeln. Da kommen haufenweise Alben an, die uns quasi "auf Verdacht" zugeschickt werden (im Fachjargon sogenannte "Blindbemusterungen") und da sind teilweise Sachen dabei, die man beim besten Willen kaum noch unter der Rubrik "Originell" ablegen kann. Immerhin hatte ich das Glück, 2008 darunter auch einige Perlen zu finden. Skullboogey fallen mir spontan ein... oder Alin Coen oder... Lauter Leben. Allesamt Künstler, hinter denen keine gut geölte Marketingmaschinerie steckt und die ihre Fangemeinde nicht vor dem Fernseher finden, sondern sie sich erst noch selbst erspielen müssen.

Im Fall von Basement Grace ist das nicht anders. Das Quartett aus Neumarkt in Bayern wurde im Oktober 2004 von Sänger Roland Schmid, Gitarrist Thorsten Biller und Schlagzeuger Roman Salzer ins Leben gerufen. Ein Jahr später stießen dann Jens Barth und sein Bass hinzu und das Line-Up war komplett. Anfang 2007 spielten die Vier eine erste, acht Songs umfassende Demo-CD ein. Nach eigener Aussage steht der Name Basement Grace "für Alternative Rock mit Ausdruck, Emotion, Feeling und Klasse". Nun, das behaupten viele Bands von sich. Mit ihrem ersten "echten" Album "empty veins / a scar" schicken sich Basement Grace nun an, diesen Worten in Form von 12 neuen Songs Taten folgen zu lassen. Und um es vorweg zu nehmen: Das auch durchaus überzeugend!

Beim Opener "Moments Of Realization" dachte ich noch, Roland Schmid habe etwas zuviel Falsett in seiner Stimme. Doch dieser Eindruck legt sich schnell, denn sein leicht klagender Gesang passt mit zunehmender Dauer sehr gut zu den musikalischen Arrangements, die seine Mitstreiter um die Vocals herum stricken. Auf einem soliden Bass-Fundament können sich die dunklen Gitarren in bester Grunge-Manier austoben oder melancholisch-leise vor sich hin flüstern. Dreckige Rocker wechseln sich ab mit gutgelaunten Midtempo-Nummern á la Fury In The Slaughterhouse ("You Can Take A Horse To Water, But You Can`t Make Him Drink") und ruhigen Stücken wie "The Workings Of Fate" oder "Hard To Stay Awake". Die Mischung stimmt. Natürlich finden sich hier und da Reminiszenzen an namhafte Kollegen wie die Red Hot Chili Peppers oder Terry Hoax, aber der Stil von Basement Grace behält immer eine eigenständige Note und so manch überraschende Wendung, auch wenn sie ab und zu (etwa bei "Surviving Graceland") das Gas an den falschen Stellen rausnehmen. Als Anspieltipps lege ich euch besonders das hitzige "Lifeless Shadows" und das fast siebenminütige "The Devil I Don`t Know" ans Herz. Echte Ausfälle sucht man auf "empty veins / a scar" vergeblich. Die Stücke entstammen größtenteils der Feder von Roland Schmid und Thorsten Biller und Basement Grace setzen damit eine erste interessante Duftmarke.

Auf www.basementgrace.com gibt es übrigens Hörproben zu allen 12 Songs. Ein Besuch lohnt sich! Insbesondere für all diejenigen unter euch, die vom eintönigen Nu Metal der Marke Daughtry, Nickelback oder 3 Doors Down die Nase voll haben und sich mal wieder frischen Wind um die selbige wehen lassen wollen. Die Produktion des Albums könnte zwar insgesamt etwas fetter sein, aber das ist angesichts der Umstände zu ignorieren. Positiv zu erwähnen wäre noch das geschmackvolle Artwork und die Tatsache, dass alle Texte im Booklet nachzulesen sind. Macht im Ergebnis hoffnungsvolle 7 von 9 Punkten. Potential haben Basement Grace zweifellos. Jetzt müssen sie es nur noch nutzen!

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