Basta

Fünf

Veröffentlicht: 12.03.2010 / Electrola / EMI

Von: Andreas Weist

Basta

Basta aus Köln gehören zu den besten deutschen A-cappella-Gruppen. Wer die Jungs einmal live erlebt, wird ganz sicher dem Charme ihrer Darbietung erliegen und sie in die persönliche Favoritenliste aufnehmen. Zu den Livequalitäten kommen aber auch (jetzt) fünf Studioalben, die zum größten Teil selbst verfasstes und arrangiertes Liedgut enthalten und immer aufs Neue die komödiantischen Songwriter-Qualitäten des Quintetts betonen. Während die bekannteren Wise Guys seit Jahren auf einer Erfolgswelle schwimmen und im Prinzip mit den letzten Outputs stets eine Kopie des vorherigen Werks ablieferten – wer es in den Charts nach vorne schafft, geht halt gern auf Nummer sicher –, erfinden sich Basta immer wieder neu und legen ein vielseitiges, facettenreiches Album nach dem anderen vor. Dabei scheuen sie nicht vor Experimenten zurück und durchstoßen gerne nach allen Seiten die Grenzen des Genres.

"Wir sind wie wir sind" (2008) stieß einigen Puristen sauer auf, da in manchen Songs Instrumente verwendet wurden und die Arrangements von Lukas Hilbert das Werk in eine sehr poppige Richtung führten. Für den neuen Release besinnen sich die fünf auf ihre eigentlichen Qualitäten, bieten 100% a cappella ohne jedes Instrument und treten wieder weitestgehend selbst als Schreiberlinge auf. Die Mischung ist durchdacht: Swing, Soul, Reggae, Pop im perfekten Vokalarrangement. Für das Stück "Madrigal" gibt es gar einen Ausflug in den klassischen Bereich.

"Zurück zum Glück" mit Leadgesang von William Wahl ist der perfekte, optimistische Opener, der die Einstellung des Quintetts zu Leben und Musik mit harmonischen, teils melancholischen Klängen wiedergibt. "Doktor, Doktor" ist ein Gute-Laune-Song mit witziger Wendung, gesungen von Werner. Das romantische "Im nächsten Leben" singt Thomas (neuerdings WDR-Moderator) begleitet von einer groovenden Basslinie. "Cool" kommt mit viel Swing und eingesungenem Bläsersatz daher – groß! Dann das noch beschwingtere "Choco Latte Chai" mit einer solchen Textfülle, die René live sicher ins Schwitzen bringen wird.

"Fleisch" führt musikalisch zurück in die 60er und wirft textlich jede politische Korrektheit über Bord. René ist der Spezialist für Chansons aller Art und fängt die Atmosphäre "Auf der A1" ein. Daneben natürlich immer wieder Songs mit überraschenden Wendungen und Comedy-Einlagen wie "Mädcheninternat" und "Wiedersehen macht Freude". Dann bringt William die Herzen mit "Feuerzeug" zum Schmelzen. "Flaminco" besingt eine gesunde Mischung aus Flamenco und Flamingo und "Party total" zeigt eindrucksvoll, wie man jeglichen elektronischen Effekt ganz mit Mund und Mikro produzieren kann. Nach 14 abwechslungsreichen Songs, die durch die komplette Bandbreite der Gruppe führen, stellt der Titeltrack zum Abschluss das Wir-Gefühl der Band auf witzige Art in Frage. Ein Live-Kracher, der auch auf CD seine Wirkung erzielt.

Als Bonustrack darf mal wieder ein Fußball-Song herhalten. Zur anstehenden WM wurde Eddy Grants "Gimme Hope Joanna" kurzerhand zu "Gimme Hope Joachim" umgeschrieben und stellt die Qualitäten der beteiligten Mannschaften einander gegenüber. Warum Deutschland letztlich gewinnen wird, müsst ihr euch schon selbst anhören.

Basta haben es auch mit ihrem fünften Album geschafft, sich wieder selbst zu übertreffen, und beweisen mir einmal mehr, warum sie zu meinen A-cappella-Favoriten gehören. Die Songs entwickeln sich mit jedem Hördurchlauf weiter und lassen keine Langeweile aufkommen. Nur eins kann besser sein, als eine CD von Basta: Basta live on stage.

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