Beck

Guero

Veröffentlicht: 21.03.2005 / Geffen / Universal

Von: Thomas Kröll

Beck

Der Zufall wollte es, dass ich das neue Beck-Album „Guero“ just zu dem Zeitpunkt in der Post vorfand, als ich gerade zu einem längeren Ausritt mit meinem fahrbaren Untersatz aufbrechen musste. Meine Laune war nicht gerade die allerbeste, was jedoch ausschließlich an dem auch an diesem Tag wieder einmal völlig erkälteten Wetter lag. Ohne groß nachzudenken (wie kann man das auch bei minus acht Grad?) packte ich die CD in meine Tasche. Irgendwo zwischen Köln und Düsseldorf fiel sie mir dann wieder ein. Also, ab damit in den CD-Player.

Was soll ich sagen? Am Ziel meiner Fahrt angekommen hatte ich „Guero“ einmal komplett durchgehört und alle Tristesse sich auf wundersame Weise in Luft aufgelöst. Noch ist das Musikjahr 2005 jung und unschuldig. Aber ich wage hiermit trotzdem schon mal die Prognose, dass mit „Guero“ der diesjährige Gute-Laune-Gewinner bereits gefunden ist! Mann, das Ding macht vielleicht Spass!

Produziert von Beck und den bewährten Dust Brothers (John King und Michael Simpson) ist von den „Loser“- und „Asshole“-Gedanken früherer Tage nicht mehr viel übrig geblieben. Was da aus den Boxen wummert, ist überwiegend tanzkompatibler Zeitgeist pur. Rock meets Pop meets Dancehall. Schrammelnde Gitarren in Symbiose mit Beats, Loops und Samples. Die Musik „fühlt“ sich an, als wäre sie genau auf das Wesentliche reduziert worden. Das Beste daran: Es funktioniert! Was U2 seit „Achtung Baby“ nicht wirklich geschafft haben, holt Beck hier nach. Und wie! Hört euch „Black Tambourine“ an, dann wisst ihr was ich meine.

Kein Wunder, wenn man sich die Gästeliste etwas genauer anschaut. Darauf finden sich illustre Namen. Während der von Jack White noch kurzzeitig für Verwirrung sorgt, sprechen Drummer Joey Waronker (R.E.M.), Petra Haden (Ex-That Dog-Sängerin), Gitarrist Smokey Hormel (Tom Waits) oder die Scratch-Grössen King Gizmo und EZ Mike für sich.

Sie alle haben Beck an die Hand genommen und ihn in das Land der unbegrenzten musikalischen Möglichkeiten entführt. Ein Land, in dem die Sonne immer scheint und der einzig logische Gesichtsausdruck ein fröhliches Dauergrinsen ist. Natürlich ist das nicht vom ersten bis zum letzten Ton durchzuhalten. Das pianolastige „Broken Drum“ lässt es auch mal kurzfristig erschlaffen, aber insgesamt klingt auf „Guero“ selbst die Trübsal noch hoffnungsfroh („Farewell Ride“).

Es fällt schwer, einen der dreizehn Songs (plus dem Bonustrack „Send a Message to her“) herauszuheben. Zwei möchte ich aber trotzdem noch besonders erwähnen. Zum einen das melancholisch-beschwingte „Missing“ und zum zweiten „Scarecrow“. So würden heutzutage wohl die Beatles klingen, wenn es sie denn noch gäbe. Allerdings mit Prince statt George Harrison an der Gitarre.

Im Label-Info zu „Guero“ heißt es: „Da steigen selbst Halbtote wieder aus dem Grab“. Nun, soweit ist es zwar (noch) nicht, aber dass exakt einen Tag nach dieser denkwürdigen Autofahrt der Frühling zu seinem endgültigen Durchbruch angesetzt hat, kann kein Zufall gewesen sein. Alleine dafür gibt es dankbare 9 von 9!

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