Black Mountain

Wilderness Heart

Veröffentlicht: 10.09.2010 / Jagjaguwar / Outside Music / Cargo Records

Von: Pascal Kraus

Black Mountain

Aufgrund der Tatsache, dass Black Mountain die US-Tour von Coldplay im Jahr 2005 komplett als Support bespielten, sollten keine Rückschlüsse auf den Sound des Fünfers aus Vancouver in British Columbia, Kanada gezogen werden. Das war bereits im ersten Jahr nach Gründung der Band und die hellen Stadionlichter brennen da ganz ordentlich in den zuvor nur dunkle Clubkeller gewöhnten Augen. Im Gepäck hatten die Musiker ihr selbstbetiteltes Debüt, welches in Genre-Kreisen einige Aufmerksamkeit erregte. Auch die EP "Druganaut" wird noch im gleichen Jahr veröffentlicht.

Black Mountain haben mit der sogenannten "Black Mountain Army" in Vancouver eine Art Künstlerkollektiv gegründet und machen auch so ähnliche Musik wie sie zu Zeiten, in denen Künstlerkollektive und Kommunen furchtbar angesagt waren, gespielt wurde. Stephen McBean, Matt Camirand, Jeremy Schmidt und Joshua Wells weben den Klangteppich, auf welchem die zarte und zugleich kraftvolle emotionale Stimme von Amber Webber barfüßig tänzelt und meist im Duett mit einem ihrer männlichen Kollegen wie in "Radiant Hearts" vom aktuellen Album "Wilderness Heart" eindringliche atmosphärische Songzeilen durch ihr Mikro schickt. Diese Platte ist der dritte Longplayer nach dem 2008er "In The Future". Die Mischung aus Metal-Riffs und flockig schwebenden Folkklängen wird durch eine psychedelisch groovende Masse zusammengehalten. Die zehn Songs zeigen unterm Strich im Gesamtwerk die ruhigere Seite der Band aus Vancouver und für die Ewigkeit festgehalten wurde die Musik in den London Bridge Studios zu Seattle und bei Sunset Sound in Hollywood.

Wir haben hier mit den Kanadiern eine weitere Band, die im Füllhorn der Rockgeschichte gräbt und ähnlich wie bei artverwandten Spezies funktioniert diese Mischung aus Tradition und Moderne noch immer erstaunlich gut. Innovativ ist dieser Sound natürlich nicht direkt und wird bei dem ein oder anderen auch einen leichten Gähnreflex auslösen, aber die Rockmusik muss ja auch nicht stetig neu erfunden werden. Schon gar nicht, wenn das Endergebnis so klingt wie auf "Wilderness Heart": Klar stehen gleich zu Beginn wieder die allseits beliebten Luftschiffer aus England mit der Mischung aus Folk und klassischem Hard Rock Pate, worauf im zweiten Stück eine Deep Purple-Orgel die Basis von "Old Fang" bildet. Treibend walzen sich aber auch später die Metal Riffs in der Mitte der Platte bei einem rasanten "Let Spirits Ride" voran.

Die Band changiert gekonnt zwischen den Reminiszensen, schlägt immer auch eine Brücke zur Gegenwart und im letzten Drittel der Platte werden die wundersamen Welten eines Syd Barrett aufs Neue durchlebt. Diese Scheibe mag ich in einem alten Ford Mustang hören und Black Mountain sind im positiven Sinne Epigonen einer bedeutenden Musikgeneration. Sie kulminieren die Essenz der heute noch oft zitierten großen Bands der Rockhistorie und schrecken nicht vor diesen Vergleichen zurück. Sie saugen gerne die Stimmungen in den Songs ihrer "Vorbilder" auf und verstecken die Referenzen in den kleinen Feinheiten ihrer Songstrukturen. Wiedererkennungsfreude ist aber auch eine schöne Freude.

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