Bob Dylan

Modern Times

Veröffentlicht: 25.08.2006 / SonyBMG / Columbia

Von: Thomas Kröll

Bob Dylan

Robert Allen Zimmermann muß man nicht mehr groß vorstellen. Als Bob Dylan hat der Mann Musikgeschichte geschrieben. Mit Songs wie „Blowin`In The Wind“, „Masters Of War“, „Like A Rolling Stone“ und, und, und, wurde er zur lebenden Legende und zum Sprachrohr nicht nur einer, sondern gleich mehrerer Generationen. Obwohl er selbst diese Rolle nie annehmen mochte. In seiner 2004 erschienenen Autobiographie „Chronicles“ erklärt Dylan: „(Â…) die großen Nervensägen in der Presse nannten mich (Â…) das Bewusstsein einer neuen Generation. Das war verrückt. Ich hatte stets nur schnörkellose Lieder gesungen und kraftvolle neue Ereignisse dargestellt. Ich hatte kaum etwas gemeinsam mit dieser Generation, von der ich angeblich die Stimme war, geschweige denn, dass ich viel von ihr wusste“. Bob Dylan und die PresseÂ… auch ein Thema für sich.

Logisch, dass jemand wie er, der in seiner inzwischen fünf Jahrzehnte langen Karriere an die 100 Millionen Alben verkauft hat, sich schwerlich der Legendenbildung entziehen kann. Mit allen Höhen und Tiefen wohlgemerkt. Nach einer fünfjährigen Schaffenspause hat Bob Dylan nun mit „Modern Times“ ein neues Album veröffentlicht. Es ist bereits Nummer 44. Aufgenommen im vergangenen Winter in New York zusammen mit seiner Tourband. Die Keyboard-, Gitarren- und Mundharmonikaparts steuerte der Meister natürlich selbst bei. Ob nun Legende oder nicht, einen großen Vorteil hat Dylan auf seiner Seite: Er muss schon lange niemandem mehr etwas beweisen. Und so klingt „Modern Times“ dann auch: Vollkommen entspannt und unaufgeregt.

Bereits der Opener „Thunder On The Mountain“ ist mehr eine formidable Jamsession und es ist klar, dass hier ausschließlich Musiker am Werk sind, die Spass und Professionalität zu einem großen Ganzen zu verbinden wissen. Auch Dylan selbst zeigt sich gesanglich in Bestform. Insbesondere bei „Nettie Moore“ treibt mir sein kratzig-gequältes Timbre konstante Schauer über den Rücken. Das war nicht immer so und ist deshalb umso erfreulicher.

Die Band schaft es, Rock-, Folk- und Blueselemente so scheinbar mühelos und locker zu verbinden, dass durchgängig eine Stimmung entsteht, als hätte man sich eher zufällig im Studio getroffen. Einfach nur der guten alten Zeiten wegen. „Spirit On The Water“ ist dafür ein guter Beleg, ebenso „The Levee`s Gonna Break“. Da wird, wenn auch mit gebremstem Schaum, fröhlich drauflos gerockt. Dylan klingt hier zeitweise so, als würde ihm jemand die Nase zuhalten. „Workingman`s Blues #2“ wirkt mit seinem verstärkten Pianoeinsatz dagegen fast schon schwermütig. Aber das ist Bob Dylan nicht (mehr). Der Mann ist 65, hat aber noch jede Menge Swing im Blut („Someday Baby“), die Slide-Guitar immer im Anschlag („Rollin` And Tumblin`“) und macht selbst aus einem sich dahin schleppenden Bluesstück wie „When The Deal Goes Down“ fast eine Ode an die Freude. „Beyond The Horizon“ könnte man als eine augenzwinkernde Hommage an die späten Fünfziger Jahre durchgehen lassen. Humor ist wenn man trotzdem lacht. Da fällt auch die Ballade „Ain`t Talkin`“ zum krönenden Abschluß dieses gut einstündigen Hörgenusses nicht weiter ins emotionale Gewicht.

Sicherlich, das alles ist nicht neu. Aber wer es nach so langer Zeit im Musikbusiness noch schafft, dermaßen frisch und unverbraucht zu klingen wie Bob Dylan auf „Modern Times“, der hat allen Respekt verdient. Da wird der Albumtitel zum Programm. Nicht unerwähnt bleiben soll dabei, dass Dylan auch textlich wieder und immer wieder eine Menge zu sagen hat. Von wegen Sprachrohr und so. Leider sind die Texte nicht im (spärlichen) Booklet zu finden. Es ist mit Bob Dylan fast wie mit einem guten Wein. Der Korken schon ein wenig bröckelig, aber der Wert steigt mit dem Alter!

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