Bob Dylan

The Basement Tapes

Veröffentlicht: 27.03.2009 / Columbia / Sony Music

Von: Sascha Knapek

Bob Dylan

Erschöpfende Tourneen hatte Bob Dylan hinter sich, als er am 29. Juli 1966 in Woodstock, New York einen folgenschweren Motorradunfall hatte. Damals nahm die Öffentlichkeit anschließend abgesagte Konzerte und einen körperlich verletzten und fortan noch zurückhaltenderen Rockstar wahr. Was man nach dem Unfall zuerst nicht wahrnahm und was bis heute zu den mysteriösesten, und in Fankreisen mit am meisten diskutierten, Dylan-Themen gehört, sind “The Basement Tapes“. Ein sich auf dem Weg der Besserung befindender Dylan hielt zwischen Juni und September 1967 mit der Backing-Band, die ihn auf seinen vorhergehenden Tourneen unterstützt hatte – The Hawks, die sich kurz nach dem Entstehen der Basement Tapes in The Band umbenannten –, kleine Jamsession ab und nahm diese auch auf.

Ursprünglich waren die neuen Dylan-Originale, die Bob und The Band bei diesen Sessions aufnahmen, als Songs für andere Bands gedacht. Die Liste der Hits, die in diesen Aufnahmen ihren Ursprung hatten, ist dementsprechend lang. Nur drei Beispiele: Manfred Mann machte sich “Quinn The Eskimo (The Mighty Quinn)“ zu eigen, die Byrds bekamen “You Ain’t Goin‘ Nowhere“ und Peter, Paul and Mary veröffentlichten “Too Much Of Nothing“. Alles Songs aus den Basement Tapes-Sessions. Dylan zauberte eine neue Perle nach der anderen aus dem Hut, seine Kollegen von The Band durften auch die ein oder andere eigene Nummer präsentieren und zwischendurch fungierte Zimmerman als Folk-Dozent. Er grub immer wieder andere amerikanische Folk-Klassiker und Traditionals – von Johnny Cash bis Eric Von Schmidt – aus seiner Erinnerung und brachte seinen Freunden von The Band so das Fundament näher, das sie ab “Music From Big Pink“ (1968) auszeichnen sollte.

In genau diesem Haus, Big Pink, fanden auch die ersten Sessions statt, die alle Songs hervorbrachten, an denen Dylan beteiligt war (bei acht der hier enthaltenen Tracks ist der Mann aus Minnesota nämlich gar nicht dabei und die wurden mitunter auch erst später aufgenommen). Man schnitt damals mit einem geborgten Kassettenrekorder und einigen Mikros von Peter, Paul and Mary mit und verewigte das, was nicht wenige Dylan-Fans für den Heiligen Gral seines Schaffens halten. In einer, im wahrsten Sinne des Wortes, „Partnerschaft“ werkelt sich Bob mit Robbie Robertson, Richard Manuel, Rick Danko, Garth Hudson und Levon Helm durch (spätere) Meilensteine seines Katalogs. Die Intimität fesselt dich, die Authentizität der Stücke fasziniert. Du kannst die Magie fast mit Händen greifen.

Über 100 Songs sollen während der gesamten Sessions im Keller von Big Pink aufgenommen worden sein und gefühlt sind ähnlich viele Bootlegs im Umlauf, die sich Teilen der Tapes annehmen. Offiziell haben leider erst 28 der Tracks das Licht der Welt erblickt (die 24 hier vertretenen und vier weitere im Rahmen verschiedener Compilations und Anthologien). Die soundtechnische Überholung tut den Aufnahmen auf dieser Wiederveröffentlichung sehr gut, man mag fast nicht glauben in welch einem „Lo-Fi-Rahmen“ sie entstanden sind. Ein Fest für die Ohren!

Bis hierhin gab es von mir nur positive Worte über diesen Longplayer. An einem Punktabzug komme ich allerdings trotzdem nicht vorbei. So schön, so dick und so aufwendig der aufklappbare (und limitierte) Digipak auch ist, und so fein das Remastering der Originalbänder auch geworden ist, ein paar kleine Extras wären bei dieser Wiederveröffentlichung schon angebracht gewesen. Kein einziger Bonus-Track gesellt sich anno 2009 auf “The Basement Tapes“. Genügend Material wäre bei den umfangreichen – man könnte auch sagen, endlosen – Sessions sicherlich noch im Archiv gewesen. Trotzdem verdient diese Doppel-CD starke acht Punkte. Wer die essenziellsten Dylan-Alben besitzen möchte, kommt an den legendären Keller-Tapes mit dem The Band-Quintett nicht vorbei. Vergangenheitsbewusstes, wegweisendes, amerikanisches Kulturgut.

Twitter

Amazon, Musicload, Napster & AOL-Download

Amazon.de Musicload

Mehr zum Thema:

Musicheadquarter Twitter RSS Feed abonieren! Musicheadquarter bei Facebook
Tickets Night Of The Prog Festival
Digg Reddit Del.icio.us Facebook Twitter Google Yahoo! MyWeb Furl" BlinkList Technorati Mixx Windows Live MySpace Mister Wong
Eagles Tickets bei www.eventim.de