Bob Dylan

Together Through Life

Veröffentlicht: 24.04.2009 / Columbia Records / Sony Music

Von: Sascha Knapek

Bob Dylan

Eine großartige Bemühung der promotionstechnischen Werbetrommel brauchte Bob Dylans neues Album gar nicht. Zimmerman geht einfach ins Studio und was dabei herauskommt, kommt dabei heraus. Eine relativ kurzfristige Pressemitteilung, eine MP3 verschenken, und fertig. Dylan sucht die Abnehmer nicht händeringend und mit allen Mitteln, denn er weiß, dass er mit “Together Through Life“ etwas abgeliefert hat, was die Leute auch ohne inhaltsleere Werbekampagne hören wollen. Allein der kostenlose Download vom Album-Opener “Beyond Here Lies Nothing“ genügt, um alle auch nur halbwegs Dylan-Interessierten neugierig aufs 33. Studioalbum des bald 68-jährigen werden zu lassen.

Eigentlich wollte der US-Amerikaner, der die neue Scheibe auch wieder mal unter seinen Alias ‘Jack Frost‘ selbst produziert hat, nur einen Song für das neue Road Movie (“My Own Love Song“) des französischen Regisseurs Olivier Dahan schreiben. Doch bei Dylan sprudelten die Ideen und so blieb es nicht bei “Life Is Hard“, dem Track für Dahans Film. Ein ganzes neues Album ist es am Ende geworden und Bob Dylan nahm den Titel des Streifens wörtlich und blieb thematisch zehn Mal in den vorgezeichneten Beziehungsgefilden.

Dylan klingt auf ”Together Through Life” vom ersten Moment an ungewohnt sexy und lasziv. Zwei Adjektive, die man nicht unbedingt sofort mit dem Mann aus Minnesota verbindet. Der balladeske Blues regiert die zehn Nummern und der Songwriter sorgt mit dem thematisch Zwischenmenschlichen für die punktgenaue Unterfütterung des satten Southern-Sounds. Wie eine buskende Straßenband in einer schwülen und umtriebigen Südstaatennacht, spielen sich Dylan und seine Mitstreiter durch die zehn Tracks. Ob zentrales Akkordeon (“If You Ever Go To Houston“, “I Feel A Change Comin‘ On“), stellenweise ziemlich akzentuierte Mandolinen oder prominent vertretene (Steel)Gitarrenarbeit, der dichte Klang passt wunderbar zur enthaltenen Lyrik. Die von Journalist Bill Flanagan vermutete Nähe zu Chess- und Sun Records-Platten ist nicht von der Hand zu weisen.

Eingespielt hat Bob Dylan die neue Platte mit seiner bewährten Touring Band. Gitarrist Mike Campbell (u. a. Tom Petty & The Heartbreakers) war genauso dabei, wie der Los Lobos-Alleskönner David Hidalgo, Tony Garnier (Bass), George Recile (Schlagzeug) und Donny Herron (u .a. Steel Gitarre, Banjo). Sie alle tragen auf “Together Through Life“ ihren Teil zum Gelingen bei und doch ist es ein Name, der diese Dylan-Scheibe prägt, wie es sonst nur der künstlerische Namensgeber macht. Robert Hunter. Der kongeniale Textpartner von Jerry Garcia war bei allen Nummern – bis auf “This Dream Of You“, das Dylan allein verfasste – an Dylans Seite, was die Lyrics anbetrifft.

Bob Dylan hat in seiner mittlerweile 50-jährigen Karriere viele weite Wege zurückgelegt. Auf der Straße, spirituell, politisch oder im greifbaren Rahmen seiner ‘Never Ending Tour‘. Sich das Texten dann mit dem Mann zu teilen, dessen wohl berühmteste Zeile auch als passende Überschrift fürs Dylans Leben herhalten könnte, ist ein wahrhafter – und durchaus überraschender – Meilenstein, den viele Robert Allen Zimmerman so vielleicht nicht mehr zugetraut hätten. What a long, strange trip it’s beenÂ… indeed!

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