Lost Highway

Ich warte ja immer noch darauf, dass Bon Jovi mal wieder solche Dinger wie "Dead Or Alive" oder "Blaze Of Glory" raushauen. Schade, dass auch das neue Album diese Hoffnung nicht erfüllt. "Lost Highway" ist das zehnte Studioalbum, das Bon Jovi seit der Bandgründung in den frühen Achtzigern aufgenommen haben. Produziert wurde es diesmal von einem Duo: Dan Huff (u.a. Keith Urban, Rascall Flatts) und John Shanks, der bereits am Vorgänger "Have A Nice Day" von 2005 beteiligt war und den Jon Bon Jovi "gewissermaßen das fünfte Bandmitglied" nennt.
So sind die zwölf neuen Songs auf "Lost Highway" dann auch weit davon entfernt, als schlecht bezeichnet zu werden, doch bis auf wenige Ausnahmen bieten sie absolut nichts Neues. Es wimmelt nur so von netten Midtempo-Rockern, die zwar allesamt im Radio oder auf der Stadionbühne gut rüberkommen werden, letztlich aber komplett austauschbar sind. Ich will nicht sagen langweilig, aber Bon Jovi haben mit Sicherheit schon innovativere Alben abgeliefert als dieses. Denjenigen, die ohnehin auf die Band stehen wird "Lost Highway" gefallen, der Rest wird es mit einem Schulterzucken zur Kenntnis nehmen.
Aber das Album hat durchaus auch ein paar positive Momente. Und zwar immer dann, wenn Bon Jovi die sicheren musikalischen Pfade verlassen. "Whole Lot Of Leavin`" und besonders "I Love This Town" sind zumindest halbwegs originell, weil in Richtung Countryrock tendierend. Letzteres ist richtig klasse und macht eine Menge Laune. "We Got It Going On" würde sogar den Kollegen von Aerosmith gut zu Gesicht stehen. Ein treibender Rocker, endlich mal mit Ecken, Kanten und so manchem klanglichen Überraschungsmoment. Dafür sind die Balladen diesmal ziemlich gründlich in die Hose gegangen. Die erste Singleauskopplung "(You Want To) Make A Memory" ist eine schreckliche Schnulze und auch "Seat Next To You" hätte eigentlich ganz schön werden können, wenn Jon Bon Jovi nicht immer so penetrant auf die Tränendrüse drücken würde. Dass sie es besser können, beweist das Quartett dann wenigstens noch mit "Till We Ain`t Strangers Anymore", was aber auch am Duett mit LeAnn Rimes liegen mag.
Immerhin sorgt das Booklet mit einigen sehenswerten Fotos und den kompletten Texten für einen Pluspunkt. Ansonsten aber bleibt ein etwas zwiespältiger Eindruck zurück. Bon Jovi haben inzwischen weltweit beeindruckende 120 Millionen Alben verkauft und "Lost Highway" wird diesen wahrscheinlich erneut die eine oder andere hinzufügen. Risikofreude sieht jedoch anders aus. "Lost Highway" ist ein solides und fröhliches Album, aber letzten Endes eben auch ein vollkommen harmloses. Hängengeblieben ist da leider wieder mal nix.