Live At The Belly Up

Nachdem sich Brad Corrigans (alias Braddigan) ehemalige Band Dispatch im Jahr 2002 auflöste, startete der aus Colorado stammende Musiker eine Solokarriere. Ganz wie bei Dispatch steht dabei die Liebe zur Musik und unabhängige Wege abseits des großen Musikgeschäfts im Vordergrund. Corrigan veröffentlicht seine Platten auf dem eigenen ’Third Surfer‘-Label und beschränkt sich nicht nur aufs Musizieren. Er besucht – und dreht Filme – über die elenden Zustände in den Slums von Nicaragua und macht, ohne großes Aufheben um seine eigene Person, auf unmenschliche Zustände in Ecken der Welt aufmerksam, die der breiten Öffentlichkeit noch nie bewusst untergekommen sind. Es erübrigt sich fast zu erwähnen, dass er seine Erfahrungen nicht selten in seine Songs und Liveshows von Braddigan einfließen lässt.
“Live At The Belly Up“ ist nach ”Live At The Gothic” (2002) und ”Live At Goucher College” (2006) das dritte Livealbum von Braddigan. Der Name steht mittlerweile allerdings nicht mehr nur für Corrigan (Gitarre & Gesang), vielmehr ist Braddigan zum Bandnamen avanciert und schließt Reinaldo DeJesus (Percussion), Tiago Machado (Bass) und Paul Stivitts (Drums) zu gleichen Teilen mit ein. Auf “Live At The Belly Up“ hört man das an jeder Ecke. Wie eine bestens geölte Jam-Maschine frickelt sich das Quartett durch die zwölf enthaltenen Tracks – spontane Improvisationen und blindes Verständnis inklusive. Das auf über sieben Minuten angewachsene Energiebündel namens “Walls“ oder der reggaelastige Publikumsliebling “Customs“ sind da nur zwei stellvertretende Beispiele. Vergleicht man den am 16. Juni 2008 in San Diego entstandenen Mitschnitt mit früheren Aufnahmen, entwickelt sich schnell eine unweigerliche Erkenntnis: Die vier Herren haben sich gesucht, gefunden und ihre Liveauftritte jetzt auch bestens aufeinander abgestimmt.
Die Setliste dieses Juniabends ist gut durchgewürfelt. Beide Studioalben von Braddigan – “Watchfires“ (2005) und “The Captive“ (2007) – sind mit mehreren Songs vertreten, wobei die aktuelle Platte den Hauptteil – sieben der zwölf Tracks haben mit dem Zweitling zu tun – stellt. Die Fan-Favoriten “Pura Vida“ (mit lässigem “Dock Of The Bay“-Tag) und “Fallin‘“ (mit schweißtreibendem Drum-Solo) vom Debütalbum dürfen natürlich bei keinem guten Braddigan-Gig fehlen. So ist es natürlich auch am 16. Juni 2008 im ‘Belly Up‘ und mit “Power Of A Name“ und “Where Is Poverty“ sind sogar noch zwei bis dato unveröffentlichte Stücke dabei gewesen. Die kleinen Geschichten, die Brad zwischen den Songs erzählt, machen den Mitschnitt zum stimmigen Rundumprogramm. Wer sich für Corrigans soziales Engagement interessiert und wer wissen möchte, was hinter dem eindringlichen “Ileana“ steckt, bekommt die Hintergrundinfos (“Ileana Story“) direkt mitgeliefert. Das Schicksal des kleinen Mädchens von der nicaraguanischen Müllhalde berührt.
Für 2008 fasste man im Braddigan-Camp einen Ausflug nach Deutschland in Betracht – leider ist daraus jedoch nichts geworden. Wenn man “Live At The Belly Up“ jetzt so im Player liegen hat, bedauert man diesen Sachverhalt noch mehr, als man das eh schon getan hat. Für 2009 kann jeder, der (oder die) mit dieser Mischung aus Chilltunes, Jam-Rock und Singer/Songwriter-Ästhetik etwas anfangen kann, also nur alle zur Verfügung stehenden Daumen drücken und hoffen, dass es dieses Jahr mit einigen Shows klappt. Wer braucht denn schon einen immer lauer werdenden Jack Johnson oder einen zum Pop-Papst geratenen Jason Mraz, wenn die wahren Ideale bei anderen aus ganzem Herzen praktiziert werden. Brad Corrigan ist so einer, der sich nicht verbiegen lässt und wacker sein Ding durchzieht – nachhören kann man das seit ein paar Wochen auf der aktuellen ‘Third Surfer‘-Veröffentlichung “Live At The Belly Up“.