Flamingo

Bisher haben The Killers ihren 2-Jahres-Rhythmus fein eingehalten und so wäre jetzt eigentlich Album Nummer 4 fällig. Nach dem Megaerfolg von "Day & Age" scheint man aber ein wenig ausgebrannt. Gitarrist und Band-Initiator Dave Keuning verkündete nach Ablauf der Tour, die per Mitschnitt aus der Royal Albert Hall festgehalten wurde, eine längere Pause. Man müsse sich nach sechs Jahren, die man nun unentwegt als Band unterwegs war, erst einmal erholen. Was macht man mit der gewonnenen Zeit? Brandon Flowers jedenfalls kann sich nicht zurücklehnen und entspannen. Er veröffentlicht dieser Tage sein Soloalbum "Flamingo".
Wer ist nun überrascht, dass dieses Werk sehr deutlich nach den Killers klingt? Seine Stimme ist einfach zu prägnant, um nicht sofort Assoziationen zu der Band zu wecken. Und ein Song wie "Jilted Lovers, Broken Hearts" erinnert von Pathos und atmosphärischem Songaufbau umgehend an das letzte Album im Kollegenkreis. Es gab gar Gerüchte, die Tracks seien während der letzten Tour bereits für ein neues Album der Killers geschrieben wurden, doch dafür sind sie meiner Meinung nach in ihrer Gesamtheit ein Stück zu ruhig gehalten.
Der ungewöhnliche "Titel sagt schon aus, dass das Album sich thematisch um Flowers‘ Heimat Las Vegas dreht. Das "Flamingo" ist ein berühmtes Casino und eines der Wahrzeichen der Stadt. So trägt auch der Albumopener den Titel "Welcome To Fabulous Las Vegas". Insgesamt zeichnet Flowers dann ein eher ruhiges, fast schon melancholisches Bild der Stadt. Da finden sich viele atmosphärische Tracks, die ganz von seinen Vocals getragen werden und zum Träumen einladen. Melodische Spielereien, hier und da eine Prise Piano – die drei Produzenten verstehen ihr Geschäft. Daniel Lanois (Dylan, U2) war mit von der Partie, Brendan O’Brian (Pearl Jam, Rage Against The Machine) und Stuart Price, der sowieso überall seine Finger im Spiel zu haben scheint.
Ich kann mich natürlich täuschen, aber ich vermute, dass der Einfluss von Lanois und Price am stärksten war. The Killers werden gerne mal mit U2 verglichen und auch bei Brandon solo steckt viel vom Gen der späten 80er mit drin. Und dass Stuart Price ein Händchen für poppige Gassenhauer hat, ist nun wirklich kein Geheimnis mehr. Versatzstücke von Blues, Gospel und Country finden sich ebenso wie leichte südamerikanische Anleihen ("Magdalena"). Einerseits lebt da ein Stück "Sam’s Town" wieder auf, andererseits wird aber auch die poppige Linie des "Day & Age"-Albums ein Stück weiter in die Zukunft geführt.
Es macht mir auf jeden Fall großen Spaß, Brandon Flowers‘ Solowerk zu hören. Vielleicht weil ich die ruhige Seite, bei der seine Stimme am besten zur Geltung kommt, von Beginn an mochte. Zur Ausstattung: Die reguläre Edition hat das schönere Cover. Dennoch wird man wohl lieber zur Deluxe Edition greifen, die mit vier (!) Bonustracks, einem Poster und hübscher Aufmachung im Digipack glänzt.