Carus Thompson

Creature Of Habit

Veröffentlicht: 05.02.2009 / Valve Records / Ikenburg Music

Von: Sascha Knapek

Carus Thompson

Sieht man vom Erscheinen der ”Cover Tapes” Ende September 2008 ab, ist “Creature Of Habit“ seit Langem wieder eine Platte ohne Carus Thompsons Backing-Band, die ‘True Believers‘. 2007 prangerte auf der damaligen Neuveröffentlichung “Three Boxes“ noch der Name ‘Carus & The True Believers‘. Jetzt, beim Nachfolger, konzentriert sich alles auf den australischen Songwriter. “Creature Of Habit“ heißt der vierte – zählt man die Studioalben mit den ‘True Believers‘ dazu – Longplayer des modernen Wandermusikanten und es ist eine uraustralische Singer/Songwriter-Platte geworden. Genau das, was man sich von einem Studioausflug des 1976 geborenen Musikers schon immer gewünscht hat.

Während der zehn auf “Creature Of Habit“ vertretenen Songs, beschäftigt sich Carus Thompson dermaßen eindringlich mit dem Komplex des Geschichten erzählenden Songwriters, dass ein gänzlich des Englischen nicht mächtiger Zuhörer nur zu bedauern ist. Reggae- und Rock-Touch früherer Alben weichen leisen Akustikakzenten, Mandolinen, Geigen oder einem Glockenspiel. Besonders ausgiebig thematisiert der Australier im Lauf der gut 33 Minuten den Topos dieser zwischenmenschlichen Facetten, die unter der Überschrift „Liebe“ laufen können. Was äußerst persönlich anmutet, ist es größtenteils auch. Bei “I Found Love“ sollte man allerdings ein zweites Mal hinhören. Thompson textet aus der Sicht eines Gefängnisinsassen, der sein Liebesglück hinter Gittern fand. Dabei ist die Erzählung nicht fiktiv, der Songwriter stieß 2008 während eines Auftritts im Hochsicherheitsgefängnis Celle auf diese wahre Geschichte.

Zwischen all den ruhigen Nummern streut Carus Thompson immer wieder äußerst geschickt auch lebhaftere Stücke ein. So folgt auf die feingliedrige – und das Album einleitende – Ballade “For The Rest Of My Life“, der Mid-Tempo-Strummer “Burn“ und auf den entlarvenden Wehmütler “Creature Of Habit“ und die Melancholie des Älterwerdens namens “On My Way“, der lockere Retrospektiven-Soundtrack von “Long Time“ (inklusive Phil Days präziser Trompetenuntermalung). “Eye Of The Storm“ und das bereits erwähnte Mandolinen-Wunder “I Found Love“ gehen es anschließend wieder ruhiger an, bevor “Doing Time“ den ausladenden (und zweieiigen) “Long Time“-Zwilling gibt. Die klatschende Mid-Tempo-Herrlichkeit von “Your Eyes Are Bleeding“ und das mehr oder weniger allein geführte Zwiegespräch “Prisoners Of The Rodeo“ beenden nach einer guten halben Stunde das Kapitel “Creature Of Habit“. Eine halbe Stunde, die es in sich hat!

All die atmosphärischen Verweise auf die Vorgängerveröffentlichung “Cover Tapes“ legen das Wünschenswerte nahe: Die Erstauflage von “Creature Of Habit“ kommt als feine Doppel-CD daher. Wunsch erfüllt. Neben den zehn Tracks von Thompsons neuer Studioplatte bekommt man auf der Bonus-Disc noch neun zusätzliche Stücke, die der gleichen Live-Session entsprungen sind, der auch schon die Songs von “Cover Tapes“ entnommen wurden. Carus Thompson mit Akustikgitarre und Mundharmonika vor eingefleischten Fans. Live in den Solinger ‘Tube Temple Studios‘ entstanden am 7. Juni 2008 nicht nur die 13, von Carus eingespielten Coverversionen australischer Songwriter, die man auf “Cover Tapes“ findet, sondern auch die neun hier versammelten Songs (aus Thompsons Feder). Die Mischung aus altgedienten Fan-Favoriten – wie der im Akustikkleid hervorragend aussehende Rocker “Last Days Of Winter“, “Hold On“ vom zweiten Studioalbum “Long Nights Are Gone“ (2004), oder dem beliebten Schlusspunkt vieler Konzerte, “Gonna Leave This Town“ – und bisher unveröffentlichten Raritäten – wie “You And I Know“, “Dancing In The Wind“ oder die dank John Butler zurückgesetzte Nummer “Sunrise Over Sea“ – sind ein perfekter Anheizer für die kurz bevorstehende Deutschlandtour des Australiers, die am 5. Februar in Hameln mit der „Worldwide CD-Release Show“ los geht.

“Creature Of Habit“ wurde zwar nicht live vor Publikum in einem Solinger Studio eingespielt, aber trotzdem ist es eine kontinuierliche Fortführung von “Cover Tapes“. Carus Thompson nimmt den Bandcharakter zu einem großen Teil komplett aus den Songs raus, lehnt sich auch hier an seine Wurzeln (Paul Kelly, Neil Murray) an und lässt mit “Creature Of Habit“ seine bislang australischste Platte entstehen. Was in den Straßen von Fremantle, Perth oder Melbourne begonnen hat, ist nun im Studio angekommen. Auf Albumlänge hat man Carus Thompson bislang noch nicht so intensiv, ausgeschlafen und stiltreu erlebt. Noch nie war ein Gewohnheitstier so spannend und so eindringlich wie auf “Creature Of Habit“. Es hilft, wenn man weiß, was man tut – niemand weiß das besser als Carus Thompson.

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