Top 10

Chäirwalk brechen mit diesem Album einen Negativ-Rekord: Das hässlichste Artwork, das ich je gesehen habe, ziert Cover, Booklet-Rückseite und Inlay. Zumindest zeigen die Jungs im Booklet, dass sie das auch besser können. Die Gestaltung soll vermutlich witzig sein, wirkt aber verstörend. Zumindest erleichtert sie dem Rezensenten den Einstieg in die Review. Weiter anführen könnte man noch die seltsame Wahl des Bandnamens (so übersetzt nicht mal der Google-Sprachtool) und den großspurigen Albumtitel.
Genug gemosert? Okay. Chäirwalk existieren laut Aussage des Promo-Flyers bereits seit 15 Jahren, stammen aus Hamburg und machen brutalen, unpolierten Rock. Meine Erwartungen gingen also in Richtung schlecht produzierten Geräuschs, als ich die CD einlegte – aber weit gefehlt. Was da den Ohren schmeichelt ist recht solider Hardrock mit deutschen Texten. Wo findet man das heute schon, ohne dass es peinlich wird?
Der Hörer bekommt eine Mischung aus Stoner Rock mit alternativem Einschlag, eine Prise Punk und in dem überraschenden "6 Richtungen" gar eine epische Portion Progressive Rock. Wenn ein Songtitel wie "Ich kotz gleich" auch nach J.B.O.-Spaßmucke klingt, sind die Texte doch erstaunlich tiefsinnig und persönlich. Für ihr erstes deutschsprachiges Album hat sich die Band damit enorm ins Zeug gelegt. Meist werden uns die Songs kraftvoll (und klanglich sehr sauber) um die Ohren gehauen, doch das Trio beherrscht auch ruhige Töne wie im abschließenden "Du fehlst".
Fazit: Man soll sich von großspurigem Getue und dem äußeren Schein nicht abschrecken lassen. Es könnte einem was entgehen.