IRM

Die Französin Charlotte Gainsbourg ist nicht nur seit ihrer frühen Jugend eine erfolgreiche Schauspielerin, sie hat auch immer wieder als Sängerin auf sich aufmerksam gemacht, zuletzt 2006 mit dem Album "5:55". Für ihren dritten Longplayer "IRM" hat sie sich nun den amerikanischen Musiker Beck als Songwriter und Produzenten mit ins Boot geholt.
Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist ein musikalisch ungeheuer vielseitiges, teilweise aber auch verwirrendes Album, das sich jeder Kategorisierung entzieht. Der Opener "Master´s Hands" zieht den Hörer mit eindringlicher Percussion in seinen Bann, darüber legt sich wie schwebend Charlottes etwas atemloser Gesang. Der folgende Titelsong "IRM" wirkt dagegen mit sägeähnlichen Geräuschen, elektronischen Effekten und monotonem Gesang recht verstörend. Und auch die Coverversion des französischen Chansons "Le chat du café des artistes" ist sehr düster geraten.
Mit "In The End" folgt dann das erste wirklich schöne Stück, eine von akustischer Gitarre und Glockenspiel begleitete verträumte Ballade. Überhaupt überzeugen mich eher die ruhigen Stücke, wie das wunderbar atmosphärische "Vanities" mit Harfenklängen, oder die melodiöse Pianoballade "La Collectionneuse", in der Auszüge aus französischen Gedichten verwendet werden. Auch "Me And Jane Doe" könnte von Melodieführung und Arrangement her ein toller Song sein, wird jedoch von der Sängerin beinahe unerträglich eintönig interpretiert. Vielleicht ein gewollter Kontrast, der bei mir allerdings nur für Enttäuschung sorgt.
Eingängig sind die wenigsten Stückel, die meisten entfalten nach mehrfachem Hören aber doch einen gewissen Charme, wie beispielsweise das rhythmisch spannende Duett "Heaven Can Wait" mit Beck, das rockige "Trick Pony" oder der Bluestitel "Dandelion". Einzig mit dem elektronisch verzerrten "Greenwich Mean Time" kann ich mich so gar nicht anfreunden.
Teilweise erschließen sich die Songs wohl über die vielschichtigen und komplexen Lyrics – aber auch hier macht es Charlotte den Hörern nicht leicht. Denn das das Booklet enthält zwar alle Texte, jedoch überwiegend in handschriftlicher Form, wie aus dem Notizblock des Songwriters mit Anmerkungen und Korrekturen. Das Ganze wirkt künstlerisch sehr ansprechend, lässt sich aber kaum entziffern, was das Textverständnis ziemlich erschwert.
"IRM" ist ein sehr ambitioniertes Werk, aber als Durchschnittshörer wird man von seinem ungeheuren künstlerischen Anspruch leicht überfordert. Wer dem Album eine Chance gibt, kann spannende Musik entdecken, muss sich aber auch durch etwas Dornengestrüpp kämpfen – wohl eher eine Aufgebe für das neue Jahr als für die bevorstehenden Feiertage.