Making Monsters

"Making Monsters" – ein Albumtitel, der wunderbar veranschaulicht, was den Hörer bei dem neuen Combichrist Album erwartet. Die amerikanisch-norwegische Band hat ein wahres Monster erschaffen – ein geniales Werk wie das Monster von Frankenstein. Gewaltig und wohlig schaurig.
Faszinierend wie sich Combichrist von (übertrieben ausgedrückt) schreienden Krachmachern in eine ernst zu nehmende Aggrotech Combo verwandelt haben. Komplexere und ausgefeiltere Soundkombinationen und definiertere Vocals, die man stellenweise sogar Gesang nennen kann fallen jedem, der Combichrist auch nur ein bisschen kennt, sofort auf. Beginnend mit einem langsamen, düsteren Instrumental-Intro „Declamation“ beschwören Combichrist sogleich eine Gänsehautatmosphäre herauf.
Es folgt ein ebenso dunkler Song an zweiter Stelle. Bei „Trail Of Blood“ konnten Combichrist Bleeding Through Mitglied Brandon Schieppati gewinnen. Bei dieser Walze von einem Song wechseln sich Brandons Shouts gekonnt mit Andy LaPleguas Vocals ab und fügen sich in die Elektrowelt von Combichrist ein, als hätte Schieppati schon immer für diese Band gesungen. Eine mehr als gelungene Zusammenarbeit. Bei den Anfangsklängen von „Never Surrender“ fühlt man sich gleich an die Chemical Brothers erinnert. Das ändert sich jedoch bei LaPleguas Einsatz, der hier mit cleanen Gesangsspuren startet, um dann im Refrain seine Schrei-Stimme auszupacken und den Hörer damit zu ohrfeigen. Langsam aber sicher entfaltet Frontmann LaPlegua sein bisher unentdecktes Gesangstalent. Die Stimmvariationen können sich sehen lassen!
Der langsame schleppende Rhythmus von „Throat Full Of Glass“ erinnert wieder an Nine Inch Nails und die Überraschung wird bei jedem Wort aus LaPleguas größer und wandelt sich in Freude, denn gesanglich braucht sich dieser nicht zu verstecken.
Wie man am folgenden „Fuckmachine“ mehr als deutlich erkennen kann, bleiben Combichrist ihrer direkten Art treu. Hier wird kein Blatt vor den Mund genommen. Harte Beats und harte Worte heißt die Mischung für einen guten Combichrist-Song. Und dieses Geheimrezept setzen die Jungs in ordentlichen Portionen auf ihrem Werk ein. „Forgotten“ wiederum zeigt sich noch düsterer als alles bisher von Combichrist gehörte und könnte geradewegs dem nächsten Horrorfilm Soundtrack entsprungen sein. Da stellen sich die Häärchen an den Unterarmen auf. Zu 90% instrumental stellt dieser Song doch einer der besten des Albums dar, gerade weil er so anders als der übliche Combichrist-Stoff ist.
Weiter geht’s mit zwei typischen Songs bis zur Ballade „Through These Eyes Of Pain“. Dieses langsame Stück steht Combichrist unerhört gut! Doch die Entspannungsphase dauert nicht lange an und zu „Making Monsters“ wird die Tanzfläche aufgewärmt, das dann bei „They“ in ein regelrechtes Beben übergeht. Zum Ausklang geleitet uns „Reclamation“, das seinen Ursprung im Intro „Declamation“ hat. Diesmal jedoch mit Vocals ausgestattet. Auf Repeat gestellt und nochmal von vorn schließt sich der Kreis.
Ohne Zweifel das abwechslungsreichste Combichrist Album in der Geschichte der Band. Eine Weiterentwicklung auf hohem Niveau. Combichrist haben es geschafft; Frankensteins Monster ist auferstanden!