Sunrise In The Land Of Milk And Honey

Nachdem die letzten Cracker-Alben für den geneigten Hörer etwas zu kopflastig und obskur ausgefallen sind, besinnt sich das US-amerikanische Quartett auf ihrem neuen Album wieder auf das Wesentliche. Die Kooperation mit den großartigen Leftover Salmon war zwar ein Fingerzeig gegen lähmende Stagnation, aber viele die bei Cracker über die Jahre nicht mit ganzem Herzblut dabei gewesen sind, wird der Abstecher ins jammende Bluegrass-Gefilde wohl eher abgeschreckt haben. Cracker-Mitbegründer und ex-(und mittlerweile wieder)Camper Van Beethoven-Kopf David Lowery und seine drei Kollegen verorten ihren Wirkungskreis auf “Sunrise In The Land Of Milk And Honey“ wieder dort, wo man ihn erwartet. Rock’n’Roll, Punk, Folk, Alt.Country, Post-Grunge, Blues – handgemacht und weder zu Roots- noch zu Alternative-lastig.
Man mag es nicht glauben, aber mit dem Milch-und-Honig-Land meinen Cracker die USA. Die Wirtschaftskrise hat tiefe Spuren hinterlassen und Lowery (Gitarre, Vocals), Co-Star Johnny Hickman (Gitarre, Vocals), Frank Funaro (Drums) und Sal Maida (Bass) nutzen die Plattform, die das neue Album ihnen ermöglicht, um den Finger in Wunden zu legen und Lehren zu ziehen. Der gesellschaftliche Sonnenaufgang ist da und Cracker komponieren den Soundtrack. Waschechter Rock, der keiner Szene nach dem Mund redet und gleichzeitig auch niemanden vergrätzt. Liebhaber der Foo Fighters, X (John Doe ist bei “We All Shine A Light“ mit von der Partie) oder Social Distortion finden sich in den elf neuen Cracker-Songs genauso gut zurecht, wie Fans von Wilco, den Counting Crows (Adam Duritz hat auch einen kleinen Gastauftritt) oder Blue Mountain.
So fein der ganze nach vorne gehende Rock’n’Roll mit sozialkritischer Message auf “Sunrise In The Land Of Milk And Honey“ auch ist, das zehnte Cracker-Album wird alten Anhängern des Vierers fabelhaft gefallen, aber da alles dann doch etwas voraussehbar ist, kommt die aktuelle Platte der Amerikaner nicht über (sehr) gute Mittelmäßigkeit heraus. “Kerosene Hat“ (1993) wartet also immer noch auf einen Longplayer aus dem eigenen Hause, der ihm das Wasser reichen kann. “Sunrise In The Land Of Milk And Honey“ schafft das nicht, aber es ist das Cracker-Album der letzten zehn Jahre, das es streckenweise schafft oben anzuklopfen.