Intriguer

Mit "Don’t Dream It’s Over" endete die australisch-neuseeländische Erfolgsgeschichte von Crowded House im Jahr 1996. Vor über hunderttausend Menschen setzte die Band um Neil Finn einen fulminanten Schlusspunkt unter ihre Karriere. In Sydney kulminierte ein Arsenal an Welthits und die Sicherheit, dass Crowded House auch aus künstlerischer Sicht Maßstäbe gesetzt hatten. Danach ging Neil Finn Solowege, lud Kollegen wie Eddie Vedder, Lisa Germano oder Johnny Marr zu sich ins Studio nach Neuseeland ein, und man überließ das Crowded-House-Werk für ein paar Jahre getrost sich selbst.
Im Jahr 2005 starb dann Paul Hester, der langjährige Drummer von Crowded House (und auch schon Mitglied der Split Enz) und der zwischenzeitlich beste Freund von Neil Finn. Der 46-jährige erhängte sich am 26. März 2005 und sorgte dafür, dass der Rest von Crowded House in der Bewältigung der Tragödie wieder zusammenfand. Finn und Nick Seymour entdeckten erneut die künstlerischen Verbindungskräfte des jeweils anderen, man reunierte, spielte wieder Konzerte und veröffentliche 2007 ein neues Studioalbum namens "Time On Earth". Drei Jahre später sind Crowded House immer noch zusammen und bringen mit "Intriguer" ihre zweite Platte nach dem 96er Split heraus.
"Intriguer" bietet all das, was man an Crowded House von je her schätzt. Die kleine Prise Schmalz in 80’s-Pop-Gefilden ("Saturday Sun") ist ebenso zugegen wie die pittoreske Bemalung halbhoher Gitarrenwände ("Inside Out") und Mid-Tempo-Rock, den nur Neil Finn so feingliedrig und ohrenverzaubernd gestalten kann ("Falling Dove"). Dass Bands mit ihren Fans altern, wird öfter gesagt. Selten ist dies so wahr wie bei Crowded House. Der Vierer – neben Finn und Seymour gehören natürlich noch Mark Hart und der neue Drummer Matt Sherrod dazu – kämpft gar nicht erst mit Vergangenheit und Zukunft. Man gibt sich gegenwärtig und entrinnt damit allen Wiedervereinigungsklischees, die vergleichbare Aufgüsse anderer Bands begleiten.
Die erhabene Schaffenskraft von Träumen oder träumerischen Sequenzen erlebt man auch dann, wenn man nicht träumt. Songs von Crowded House können den gleichen Effekt haben, man muss sich nur treiben lassen. "Intriguer" ist ein erneuter Beweis für die epische Größe von Crowded House. Und als ob sie es in einem bestimmten Stück kondensieren und präzisieren wollten, kommt "Either Side Of The World" um die Ecke. Die Speerspitze einer gesunden Band, die nicht vergessen hat, warum sie wieder beieinander ist.