David Bowie

A Reality Tour (2-CD)

Veröffentlicht: 22.01.2010 / Columbia / Sony Music

Von: Thomas Kröll

David Bowie

David Bowies "Reality Tour" zum gleichnamigen Album 2003/2004 war ein einziger Triumphzug. Es war die Tournee mit dem höchsten Einspielergebnis in jenem Jahr und die Kritiker riefen sie gar zur "besten Konzertreise Bowies überhaupt" aus. 2004 wurde dann die DVD "A Reality Tour" veröffentlicht, die zwei Shows im Dubliner Point Depot Theatre am 22. und 23. November 2003 dokumentiert. Jetzt erscheint die dazugehörige Doppel-Live-CD. Sechs Jahre nach der DVD-Veröffentlichung darf man eingangs wohl zu Recht die Frage nach deren Mehrwert voranstellen.

Dieser besteht in erster Linie darin, dass hier drei bisher unveröffentlichte Livemitschnitte enthalten sind, die auf der DVD nicht zu finden waren: "Fall Dog Bombs The Moon", "Breaking Glass" und das grossartige "China Girl". Zusammen mit den übrigen 30 Songs bietet "A Reality Tour" somit einen Querschnitt durch Bowies (fast) komplettes Leben und Schaffen, angefangen beim 1971er Album "The Man Who Sold The World" bis hin zu "Reality" von 2003, seinem bis heute letzten regulären Studioalbum. Natürlich alles remastered und von bestechender Klangqualität. Dank an Ted Jensen, der in dieser Beziehung ganze Arbeit geleistet hat. Außerdem fällt nun endgültig das mühsame Rippen der DVD-Audiospur weg...

Die besondere Atmosphäre beider Konzertabende in der irischen Hauptstadt spiegeln nicht nur die Fotos im Booklet, sondern schon das Cover der CD wieder. Die Vorderseite des schicken Digipacks zeigt David Bowie mit seiner schwarz-weißen Supro Dual Tone-Gitarre im Anschlag. Um sich herum hat der Brite, der vor kurzem 63 Jahre alt geworden ist, eine exzellente Band geschart: Gerry Leonard (Gitarre), Schlagzeuger Sterling Campbell, Earl Slick (Gitarre), Catherine Russell (Percussion), Bassistin Gail Ann Dorsey sowie Mike Garson an den Keyboards. Die Sieben versprühen eine immense Spielfreude, die sich von Anfang an auch auf das Publikum in Dublin überträgt.

Insbesondere die 1970er Jahre waren für Bowie eine Phase höchster künstlerischer Produktivität, dementsprechend würdigt er diese Ära mit Live-Versionen vieler Titel aus dieser Zeit. Beispielsweise mit der Trilogy aus "Five Years", "Hang On To Yourself" und "Ziggy Stardust", dem zusammen mit John Lennon komponierten "Fame" oder einer der seltenen Aufführungen von "Sister Midnight", welches Bowie 1977 für die von ihm produzierte Debüt-LP "The Idiot" von Iggy Pop schrieb. Natürlich fehlt auch "The Man Who Sold The World" nicht, das viele von euch wahrscheinlich eher in der Unplugged-Version von Nirvana kennen. Auch die Achtziger werden wiederbelebt, u.a. mit den Klassikern "Ashes To Ashes" und der Single "Under Pressure", die Bowie 1981 im Verbund mit Queen aufnahm. Weiter geht es in die Neunziger mit Songs wie "Hallo Spaceboy", dem rockenden "I`m Afraid Of Americans" oder "Battle For Britain (The Letter"). Der Löwenanteil, genauer gesagt zehn Stücke, stammt von Bowies letzten beiden Alben "Heathen" (2002) und eben "Reality", darunter "Cactus", eine Co-Produktion mit Pixies-Mastermind Black Francis. Als Schmankerl gibt es dann noch das altbekannte "Heroes" im neuen Klanggewand. Der Wechsel zwischen schnellen und langsamen Songs sorgt dabei nicht für einen Spannungsbruch. Im Gegenteil, gerade bei letzteren kann Bowie seine gesanglichen Stärken voll ausspielen und eindrucksvoll beweisen, warum er seit nunmehr über 40 Jahren ein solcher Ausnahmekünstler ist und dabei zu einem der einflussreichsten Popmusiker seiner Zeit aufstieg. Dies gilt mit Abstrichen auch für seine "Nebentätigkeiten" als Schauspieler ("Der Mann, der vom Himmel fiel" oder "Merry Christmas, Mr. Lawrence"), Produzent und Maler.

"A Reality Tour" jedenfalls ist ein lebendiges Live-Album, mit dem nicht nur Bowie-Fans zweieinhalb Stunden lang in herrlicher Nostalgie schwelgen können. Im Dezember 2003 schrieb Jon Pareles in der New York Times: "Bowie hat viele dieser Songs schon unzählige Male gesungen, aber mit einem veränderten Tonfall hier und einer versteckten Geste dort, macht er klar, dass er nach wie vor in ihnen lebt und bringt sie so ins Hier und Jetzt". Damit ist alles gesagt!

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