I Mind

Deutschland hat wieder einen neuen Casting-Show-Gewinner. Der aus Duisburg stammende Polizist David Pfeffer setzte sich am 6. Dezember im Finale der zweiten Staffel von "X Factor" gegen seine Konkurrenten durch, und schon am nächsten Freitag war sein bereits vorproduziertes Album "I Mind" im Handel.
Mich hat das Album positiv überrascht, denn in der Finalshow konnte mich der 29jährige Sänger nicht überzeugen, schon gar nicht im direkten Vergleich mit der Zweitplatzierten Raffaela Wais. Doch die Produzenten haben ein gutes Gespür bei der Auswahl der von verschiedensten Songwritern stammenden Stücke bewiesen, und so kommen David Pfeffers gesanglichen Fähigkeiten und das von der Jury viel gerühmte Gefühl in seiner Stimme hier voll zur Geltung.
Die musikalische Bandbreite des Albums reicht von gefühlvollem Gitarrenpop wie "Fall On Me" und "All Blessings Fall" bis zu rhythmischen und leicht rockigen Stücken wie "Up To Us“ oder "Riot In My Veins". Die Single "I´m Here" ist eine tolle Pianoballade mit Power im Refrain und genau das richtige fürs emotionale Weihnachtsgeschäft.
Die Songs sind zwar erkennbar nach eingängigem Pop-Muster gestrickt, aber doch abwechslungsreich genug, um nicht zu langweilen. So bezaubert "Wasted Light" mit seinem fließenden Gitarrenmotiv, "Piece by Piece" mit spannungsvoller Steigerung und "Changes" ist schon fast eine Hymne. Zwei Titel hat David Pfeffer sogar komplett selbst geschrieben – das ruhige "Losing My Time" und den verträumten und schön sparsam arrangierten Abschlusstitel "Out Of My Mind".
Die Fotos im Booklet zeigen David Pfeffer als sympathischen, aber zurückhaltenden Künstler und diesem Image wird auch das gesamte Album gerecht, das einfach gute Popmusik mit hohem Wohlfühl-Faktor bietet. "I Mind" ist insofern ein in Anbetracht der kurzen Produktionszeit überraschend gelungenes Debüt, aber mit Luft nach oben. Hoffen wir nur, dass David Pfeffer den Casting-Show Hype überlebt und sich als Musiker etablieren kann.