What Will We Be

Devendra Banhart, das ist doch der bärtige Hippie, der gerne Texte singt in denen es um einen sich psychedelisch bewegenden Tintenfisch und kleine gelbe Spinnen geht (“Little Yellow Spider“) oder der dem kindlichen Ich fröhnt (“I'm A Child“)? Inzwischen ist der Bart ab und mit “What Will We Be“ legt er seine erste Veröffentlichung bei einem Major-Label vor.
Gepriesen als der Messias der neueren Folkbewegung Amerikas, dürfte solch ein Schritt, Schreie nach einem künstlerischen Ausverkauf nach sich ziehen. Doch erst mal hören, bevor man den Teer und die Federn zurechtlegt. Auffallend ist der warme, satte Sound, der sich durch das ganze Album zieht. Versponnen kann man ihn immer noch nennen, auch wenn es jetzt alles ein wenig aufgeräumter erscheint. Verantwortlich dafür ist Produzent Paul Butler, der mit den englischen The Bees (in Amerika als Band of Bees bekannt), für seinen lupenreinen Retro-Pop bekannt ist. Dass das nicht unbedingt gradlinig sein muss, zeigt “Angelika“. Denn als der Song scheinbar ausklingt, beginnt nicht etwa ein neuer Song, sondern Teil zwei von “Angelika“, mit schunkeligen Brasil-Rythmen.
Es gibt Balladen wie “First Song For B“, viel folkiges Gezupfe (“Going Back“) und mit "Walilamdzi" auch ein Stück gesungen in einer alten Indianersprache. "16th & Valencia, Roxy Music" ist ungewöhnlich druckvoll und “Rats“ ruft Reminiszenzen von Led Zeppelin hervor und groovt ordentlich.
Die Bandbesetzung ist mit Lucky Remington (The Pleased), Greg Rogrove (Priestbird), Rodrigo Amarante (Little Joy) und Joanna Newsome-Produzent Noah Gregson, dieselbe wie beim Vorgängeralbum und erscheint vielleicht gerade deshalb wie eine in sich versunkene und völlig im Einklang stehende musizierende Kommune. Nachdem das letzte Album “Smokey Rolls Down The Hill“ aufgrund seiner Ziellosigkeit als schwächeres Album einzustufen ist, scheint “What Will We Be“ zumindest wie ein Schritt in eine vage Richtungsentscheidung. Wobei Banhart es auslässt, die titelgebende Frage abschließend zu beantworten. Aber bei seinem Arbeitsethos von sieben Alben in ebenso vielen Jahren, kann die Antwort nicht lange auf sich warten lassen. Wenn Tausendsassa Banhart sich nicht in seiner gestalterischen Kunst (die mittlerweile in Ausstellungen über den Globus verteilt zu sehen war) oder in Filmauftritten (Nick & Noah's Infinite Playlist) verliert.