Die Fantastischen Vier

Für dich immer noch Fanta Sie

Veröffentlicht: 14.05.2010 / Columbia / Sony Music

Von: Andreas Weist

Die Fantastischen Vier

Wie würdigt man ein Album, das schon seit über zwei Wochen auf dem Markt ist und längst Platz 1 der deutschen Albumcharts geentert hat? Keine leichte Aufgabe. Es waren allerdings auch keine großen hellseherischen Fähigkeiten nötig, um zu wissen, dass Album Nummer 8 ("Megavier" mal nicht mitgezählt)  genau so zum Chartbreaker werden wird, wie alle bisher erschienenen Veröffentlichungen in über 20 Jahren Schaffenszeit. Die Triple-CD "Heimspiel" sollte im vergangenen Jahr zur ultimativen Werkschau werden – nun steht dem Quartett der Sinn nach neuen Heldentaten.

Die Single "Gebt uns ruhig die Schuld (den Rest könnt ihr behalten) " zeigte als erster Teaser des neuen Werks, dass die Fantas ihren Wortwitz nicht verloren haben. Dazu kommt dann noch der wundervoll verspielte Albumtitel "Für dich immer noch Fanta Sie", der auf ähnliche Weise schmunzeln lässt und zum Nachdenken anregt, wie vor drei Jahren "Fornika" ob der Bedeutung des ungewöhnlichen Begriffs die Hirnwindungen anstrengte. Das Booklet ist auf jeden Fall das bisher künstlerisch Wertvollste und enthält viele bunte, esoterisch angehauchte Wimmelbilder, auf denen es immer wieder Neues zu entdecken gibt – nicht zuletzt zahlreiche Bezüge zu den aktuellen Songtexten.

Die Scheiben der Fantas sind schon lange nicht mehr die Aneinanderreihung hitverdächtiger Einzelsongs, wie dies noch in den 90ern üblich war, sondern werden immer mehr zu in sich geschlossenen Gesamtkunstwerken. So verwundert es nicht, dass "Wir Gladiatoren" fast schon als Intro im Stil eines Konzeptalbums daherkommt, der Titeltrack sich zweigeteilt auf dem Album findet und die offene Frage "Was wollen wir noch mehr?" den Silberling beschließt. Die Vier besingen das, was sie am besten kennen – sich selbst. Nicht mehr einseitig und einfältig, wie man ihnen das vor vielen Jahren vorwerfen durfte, sondern in einer stilistischen Vielfalt, die die Weisheit des Alters mit sich bringt: ohne HipHop und fantastische Reime geht es natürlich nicht – dazu gesellen sich aber die elektronischen Elemente, die in den letzten Jahren stetig stärker und fetter wurden, feiner Gitarrenpop sowie kleine Prisen Soul und Jazz.

Der Idee von "Junge trifft Mädchen" hört man ebenso gerne zu, wie man den Protagonisten bei "Smudo in Zukunft" bemitleidet und die Bilder von "Danke" nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Großes Kino im Reimformat! Mein Highlight ist aber "Mantra", das wie der All-Time-Favorite "Krieger" im eindringlichen Sprechgesang philosophische Weisheiten unters Volk bringt.

"Für dich immer noch Fanta Sie" ist ein weiteres hochwertiges Album, das viele Geschmäcker trifft und mit hoher Nachhaltigkeit meinen Player bespielen dürfte. Ich freu mich schon auf die Tour im November.

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