Die Fantastischen Vier

Heimspiel (3 CDs)

Veröffentlicht: 02.10.2009 / Columbia / Sony Music

Von: Andreas Weist

Die Fantastischen Vier

Wenn der VfB Stuttgart ein besonders motiviertes Publikum braucht, ist die Mercedes-Benz-Arena allererste Adresse. Ähnlich erging es den Fanta 4: Für ihr 20jähriges Jubiläum brauchten sie ein "Heimspiel" – und das konnte in dieser Größenordnung nur auf dem Cannstatter Wasen steigen. Am 7. Juli 1989 traten die Vier erstmals vor 40 Zuschauern in Stuttgart-Wangen unter dem Namen auf, der die deutschsprachige Musik kurze Zeit später revolutionieren sollte. Am 25. Juli 2009 pilgerten 60.000 Fans zum Jubiläumskonzert auf dem Wasen. Und als Unterstützung für das besondere Spiel hatte man sich Unterstützung aus dem Ausland eingekauft: das Orchester des staatlichen Bolschoi-Theaters aus Minsk in Weißrussland.

Die Fantas haben viel erreicht und in 20 Jahren unzählige Facetten ihres Könnens gezeigt. Ein solches Konzert muss natürlich die ganze Bandbreite aufweisen – und so bekommen wir den bekannten Hitreigen ebenso serviert wie die stets beliebten Oldschool-Elemente aber auch energetische Publikumslieblinge à la "Krieger" und "Schizophren". Jeder kommt auf seine Kosten, wenn die Reise von "Was geht" und "Sie ist weg" über "Sommerregen" und "MFG" bis hin zum Oldie "Die Da" (mit dem alles begann) und dem recht aktuellen Hit "Einfach sein" führt. Im Zugabenblock dürfen das fulminante "Tag am Meer", "Ernten was wir säen" und der Song ran, der die Verbindung von Hiphop und Popkultur am stärksten ausdrückt: "Populär“.

Das Orchester ist mehr als schmückendes Beiwerk. Man denke nur an die gern verwendeten Samples, die uns nun endlich live um die Ohren fliegen statt digital am Computer erzeugt zu werden. Dies steigert das Sounderlebnis ungemein. Orchestrale Passagen tauchen auch immer wieder auf, ohne dass man aber übertreibt. Also keine Angst: es gibt die Fanta 4 pur und keinen "Pop meets Classic"-Abklatsch. Selbst rockige Klänge finden ihren Platz und so wundert es gar nicht, dass spielfreudig Elemente von "Killing In The Name Of" im Set ertönen.

140 Minuten Musik werden geboten. Dafür braucht es drei Silberlinge – obwohl natürlich auch zwei ausgereicht hätten, egal. Allerdings bin ich schon beim ersten Rausnehmen von dem Digipack genervt: es ist quasi unmöglich, die CDs rauszufriemeln, ohne dass man die Scheiben komplett betatscht und zudem noch die Papphülle an den Ecken einreißt. Einziger Vorteil des in vier Quadrate aufklappbaren Teils: Man sieht das Orchester in voller bühnengewaltiger Größe. Natürlich muss noch der Hinweis erlaubt sein, dass das Konzert Ende Oktober auf DVD erscheint. Wer also auf den Geldbeutel schauen muss und das visuelle Element bevorzugt, wird sich noch ein wenig gedulden müssen.

Wer auf den Geschmack gekommen ist und Ähnliches selbst erleben möchte: Am Silvesterabend 2009/2010 versammeln sich die Fantas mit Getreuen zum "Rheinfeiern" im RheinEnergieStadion Köln. Das sollte man nicht verpassen, wenn man einen ganz besonderen Start ins neue Jahr haben möchte.

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