Musik ist Trumpf

Was haben Guildo Horn und Dieter Thomas Kuhn gemeinsam? Sie präsentieren alte deutsche Schlager in neuem Gewand, geben deutschlandweit ausverkaufte Konzerte und bringen dort Menschen zusammen, die eigentlich alles andere als Schlagerfans sind. Ebenso einmalig sind die jeweilige Frisur und das schräge Bühnenoutfit. Und beiden nehme ich ab, dass es mehr ist, als nur eine Parodie. Sie stehen hinter dem, was sie tun.
Nun bin ich als Trierer natürlich Horn-geschädigt. Aber ich habe auch lange genug als Student in der Kurpfalz gelebt, um schon sehr früh den Hype um Kuhn mitzubekommen. Gerne erinnere ich mich noch an die Endlos-Diskussionen mit den Mannheimer Kommilitonen, wer denn nun wen kopiert. Aber als Grand Prix-Teilnehmer hatte Guildo ja immer einen Vorteil.
Zur Musik: mein 2jähriger Flo tanz wie wild vor den Boxen rum. Da spielt Lokalkolorit also keine Rolle. Kuhn begibt sich ja am 24.08. auch ins Trierer Amphitheater, also quasi auf Feindesland. Nein, wir werden ganz lieb zu ihm sein – wie sich das für Schlagerfreunde gehört.
Ich mache definitiv Unterschiede aus. Dieter Thomas Kuhn interpretiert die bekannten Songs als Schlager. Vielleicht etwas fetziger, etwas schneller, instrumental ausgefeilter – aber es bleiben Schlager. Guildo lässt in der Regel seine Coversongs als klassische Schlager beginnen, aber als Rocksongs enden.
Kurioserweise beendete Kuhn 1999 seine Schlagerkarriere mit einem Abschiedskonzert in Stuttgart, um sich anschließend erfolglos dem deutschen Pop zu widmen. Erst 2004 gab es ein Schlager-Comeback, das bis heute Bestand hat.
Die aktuelle CD bietet einen Rundumschlag, der auch eine geniale Fetenhits-Schlager-Compilation abgeben würde. Man kennt jeden Song und singt herzhaft mit (zumindest wenn man sich unbeobachtet wähnt). Highlights? „Schön ist es auf der Welt zu sein“, „Dschingis Khan“, „Er hat ein knallrotes Gummiboot“ und der Kultsong „Im Wagen vor mir“ als Hidden Track.
Die Kuhn-Compilation wird jede Party mit 15 Mitsing-Hits bereichern. Ich beschränke mich aber auf sechs Wertungssterne, da ich mir ein stärkeres Eingreifen in die Songstrukturen und mehr Pep in der Interpretation gewünscht hätte. Trotzdem schaue ich schon gespannt dem Trier-Gastspiel im August entgegen.