Dieter Thomas Kuhn

Schalala

Veröffentlicht: 12.06.2009 / Vaddis eigene Plattenfirma / edel

Von: Andreas Weist

Dieter Thomas Kuhn

Schon sein zehntes Album lässt der Thüringer Schlagerbarde Dieter Thomas Kuhn dieser Tage auf seine große Fangemeinde los – und allein den Titel "Schalala" finde ich überaus gelungen und konsequent, da er mit seinem ironischen Seitenhieb auch durchaus Feinde des deutschen Schlagers ansprechen dürfte.

Die Songauswahl lässt gegenüber den bisherigen Veröffentlichungen etwas nach. Sicher deshalb, weil inzwischen jeder bekannte Titel des zwar breiten aber nicht unendlich großen Spektrums als Coversong verbraten sein dürfte. Man erinnere sich nur an das verrockte "Über den Wolken", das gar die Tanzflächen deutscher Clubs eroberte. Zu "Musik ist Trumpf" schrieb ich vor zwei Jahren noch, es sei ein Rundumschlag, der auch einer Fetenhits-Schlager-Compilation würdig wäre. "Schalala" kommt tatsächlich dezenter daher. Der Hitfaktor wird mit "Der Puppenspieler von Mexiko" und Christian Anders‘ unverwüstlichem "Es fährt ein Zug nach Nirgendwo" bedient. Kuhn lässt dabei den Puppenspieler mit eingestreuten Gitarrenriffs um einige Grade härter wirken, als es das Original ursprünglich hergab.

Schlagermeister Udo Jürgens kommt mit "Ein ehrenwertes Haus" und "Liebe ohne Leiden" zu neuen Ehren. Kuhn bemüht sich dabei mit Erfolg, die Originalstimme möglichst nah zu treffen. Noch augenscheinlicher wird dies bei den Carpendale-Songs, auf denen ein weiterer Schwerpunkt liegt. Bei "Dann geh doch", "Und ich warte auf ein Zeichen" und dem schmachtenden "Da nahm er seine Gitarre" sieht man förmlich Howie selbst mit original-schrecklich-englischem Akzent vor sich stehen. Die Grenze zwischen musikalischer Verehrung und Parodie verschwimmt da stets aufs Neue.

Insgesamt ist das Album ruhiger gehalten als die sonst übliche Schlagerparty. Zu meinen Favoriten zähle ich mal "Bind ein blaues Band um uns’ren Birkenbaum" als Holm-Version des 70er Popsongs "Tie a Yellow Ribbon Round the Ole Oak Tree" und das synthesizer-verdudelte "Popcorn" (im Original von Gershon Kingsley, gecovered unter anderem durch Jean Michel Jarre. Insgesamt kann "Schalala" allerdings nicht an die fetentaugliche Klasse seiner Vorgänger heranreichen. Schade.

Ein Augenmerk möchte ich aber noch auf das wundervolle Artwork gerichtet wissen: Verziert mit goldenem Dekor lächelt Dieter Thomas huldvoll von einem verspiegelten Foto zu uns rüber und präsentiert sein Brusthaartoupet. Göttlich! Das Konzept zieht sich durch das ganze Booklet und wird schräger und schräger – bis hin zum halbnackten, lasziven Räkeln auf einer samtroten Couch. So wird Kult gnadenlos grandios in Szene gesetzt.

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