Earl Greyhound

Suspicious Package

Veröffentlicht: 20.08.2010 / The Organisation / Soulfood Music

Von: Pascal Kraus

Earl Greyhound

Das Süppchen, welches hier brodelnd im Vintage-Kessel eingekocht wird, ist ein heißes Gebräu mit äußerst scharfen Zutaten. Die Köche dieser Voodoo-Suppe kommen aus dem Big Apple und sind Kamara Thomas am Bass, Matt Whyte an Gesang und Gitarre und Ricc Sheridan am Schlagzeug. Die rockhistorischen Referenzen, derer dieser Tage bei einigen aktuellen Bands gedacht werden muß, fügen Earl Greyhound gekonnt geschmackssicher zusammen und lassen die Ingredenzien gerade so lange ziehen, damit sich der volle Geschmack auf der Zunge entfalten kann und jedes Aroma seinen Weg in die letzten Nervenenden des Hypothalamus findet. Die flüchtigen Aromastoffe ziehen durch die Nase und verströmen einen wohligen Duft nach schwarzem Soul, federnd groovendem Funk und fettem Rock.

Die Verarbeitung dieser süßen und bisweilen zart bitteren Reize auf "Suspicious Package" ist aufwendiger als die schnelle Erkenntnis einer salzigen Lauge. "The Eyes Of Cassandra / Part II" ist so eine süß schmeckende, aber auch herausfordernde Erkenntnis und auch die Tracks "Oye Vaya", "Shotgun" und "Misty Morning" sind mehr als nur Geschmacksträger. Regelmäßig durchzuckt den Hörer auch ein sogenanntes "Pepper-High" aufgrund der Schärfe in diesem Sud und das Verlangen nach den ausgeschütteten Endorphinen wird immer stärker, mit jedem Durchlauf dieses zweiten Albums der New Yorker. Die aus der eigenen musikalischen Sozialisation heraus verankerten Geschmacks-Nuancen bilden die Basis jener starken Akzeptanz dieser Speise, die wir auskosten wollen, den Teller immer wieder füllen und bis zum letzten Tropfen auslöffeln. Jedoch ist dieser ganze Inhalt auch ungeordnet, konfus und die richtigen Lieblingszutaten rutschen öfters mal vom Löffel.

Feurige Soul Stückchen hat der alte Sly Stone da über dem Kessel aus dem Innenfutter seiner Glitterjacke geschüttelt und die Kräutergärten der Beatles, Pink Floyd und auch manches Mal der von Rush werden hier satt geerntet und in den kochenden Kessel geworfen. Unvermeidlich sind hier ebenfalls die Musikergemeinschaft um die Herren Page & Plant. Und an den Stellen, an welchen Whyte und die Frau am Viersaiter ihre Stimmen harmonisch wie Honig über die Melodiebögen fließen lassen, entwickelt sich ein quirliger Strudel. Die Groove Brocken schwimmen nicht nur an der Oberfläche, sondern treiben mit den modernen Alternative Rock-Splittern durch die gesamte Prog-Psychedelische-Suppe.

Dieser Speise hätten vielleicht auch ein paar Zutaten weniger nicht geschadet und es dadurch etwas einheitlicher und bekömmlicher werden lassen. Mit den ganzen enthaltenen Gewürzen wären nämlich durchaus noch ein paar weitere Gerichte hervorragend abgeschmeckt worden. Auf dem Album sind noch drei Bonus-Tracks enthalten, welche alle vom Debüt "Soft Targets" (2006) stammen. Diese letzten Nummern auf der Scheibe sind im positiven Sinne straight losrockend und passen zusammen.

Das Label trägt es ja bereits im Namen: die Musik dieses Trios ist wirklich Soulfood für die Ohren. Auf der kommenden Clubtour durch Deutschland im September kann man dann mal live schmecken und genießen.

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